Zwischen Rausch und Ernüchterung
„Das kann einfach nicht sein“

Wirkliche Gewinner gibt es am Abend nach der Bundestagswahl wenige. Die Stimmung schwankt auf den Wahlpartys zwischen Rausch und Ernüchterung. Während die SPD trotz Stimmenverlusten jubelt herrscht Frust bei der Union vor, auch bei den Wunschkoalitionspartnern ist die Freude geteilt.
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HB BERLIN. Dass es für eine schwarz-gelbe Koalition voraussichtlich nicht reicht, dämpft bei der FDP die Freude über die Zugewinne. Auch die Grünen schwanken zwischen Euphorie und Nachdenklichkeit. Die Linkspartei berauscht sich an ihrem Wiedereinzug als Fraktion ins Parlament.

Als Bundeskanzler Gerhard Schröder um 19.25 Uhr gemeinsam mit SPD-Partei - und Fraktionschef Franz Müntefering das Podium im Willy- Brandt-Haus betritt, wird er mit Jubel und Applaus empfangen. Mehr als 2000 Menschen drängen sich in der Parteizentrale. Viele recken Schilder mit der Aufschrift "Schröder für Deutschland" in die Höhe. Der Kanzler meldet sogleich seinen Anspruch auf "eine stabile Regierung unter meiner Führung" an. Er reißt die Arme hoch und lässt sich wie ein Sieger feiern.

Bei den ersten Hochrechnungen um 18.00 Uhr Zurückhaltung der SPD-Mitglieder über das eigene Abschneiden, ohrenbetäubender Lärm jedoch, als die Verluste der Union deutlicher werden. "Wir sind so glücklich", sagt die 21-jährige Maike Schölmerich strahlend. "Es reicht nicht für Schwarz-Gelb - das ist der Triumph." Viele Ältere wollen sich dem jedoch nicht sofort anschließen. "Den ersten Sekt gibt's erst in einer Stunde", sagt ein Alteingesessener.

Als Müntefering vor die Mikrofone tritt, herrscht bei der CDU im Konrad-Adenauer-Haus Funkstille. Wegen eines Tonausfalls kann niemand im Fernsehen hören, was er zu den Genossen sagt. 3000 Menschen drängeln sich in der CDU-Zentrale. Bereits nach der ersten Prognose Ernüchterung: Zwar scheint die Union unter Kanzlerkandidatin Angela Merkel stärkste Fraktion im Bundestag zu werden, erleidet jedoch starke Stimmenverluste. Enttäuschung und blankes Entsetzen bei der Schwesterpartei CSU in München. "Unter 40 %, das kann einfach nicht sein", stöhnt eine Anhängerin.

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