Zwist in Koalition
Kabinett verschiebt erneut Fracking-Beratung

Die Schiefergasförderung, auch Fracking genannt, sorgt in der Koalition weiter für Stunk. Für Mittwoch war eigentlich eine Besprechung zu diesem Thema angesetzt – die fällt aber mal wieder aus.
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BerlinDer Dauerstreit in der Koalition über die Schiefergasförderung geht in die nächste Runde. Die Regierung verschob erneut die für Mittwoch geplante Befassung des Kabinetts mit einer gesetzlichen Regelung des sogenannten Frackings, wie das Wirtschaftsministerium am Montag bestätigte. Bereits in der vergangenen Woche war die Beratung abgesagt worden. Ein Sprecher der Unionsfraktion hatte angekündigt, das Gesetz solle diese Woche vom Kabinett abgesegnet werden. Hintergrund der neuen Diskussion ist ein Vorstoß von CDU-Abgeordneten aus Baden-Württemberg, die Fracking im Einzugsgebiet des Bodensees ausschließen wollen. In der Union sei man sich hier im Wesentlichen einig, sagte Andreas Jung aus Konstanz. "Das Umweltministerium unterstützt uns auch, aber das Wirtschaftsministerium hat Bedenken und will noch prüfen."

In Kreisen des Wirtschaftsressorts hieß es, die Koalitionsfraktionen selbst seien am Zug. „Eine Einigung steht hier aber noch aus“, sagte ein Regierungsvertreter.

In Union und FDP gibt es mittlerweile Skepsis, ob eine Einigung noch vor der Bundestagswahl im Herbst möglich ist. Allerdings soll es einen weiteren Kompromissversuch geben. Damit ist ein Beschluss jedoch noch nicht sicher, da das Gesetz den von SPD und Grünen dominierten Bundesrat passieren muss.

Ein ursprünglicher Entwurf von Umwelt- und Wirtschaftsministerium war von Koalitionsexperten bereits einmal verschärft worden, um Kritikern des Frackings entgegenzukommen. Neben einer Umweltverträglichkeitsprüfung und dem Verbot des Frackings in Wasserschutzgebieten soll auch generell ein Einvernehmen mit den Wasserbehörden für Bohrungen nötig seien. Auch der Umgang mit den Fracking-Flüssigkeiten wurde genauer geregelt. Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dort eingeschlossenes Gas oder Öl freizusetzen. In den USA wird die Methode im großen Stil eingesetzt und hat zu sinkenden Gas- und Strompreisen geführt. Die Folgen für die Umwelt sind allerdings kaum erforscht.

In Deutschland ist Fracking bislang gesetzlich kaum geregelt. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte es als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die Methode in den kommenden Jahren in Deutschland zum Einsatz kommt. Allerdings ist gerade in der Union die Sorge groß, dass vor der Bundestagswahl die Opposition mit dem Thema punkten könnte. Vor der letzten Bundestagswahl war aus ähnlichen Gründen ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid verschoben worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zwist in Koalition: Kabinett verschiebt erneut Fracking-Beratung "

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  • Ehrlich ist, dass bisher nicht veröfftentlicht wurde, dass Chemikalien ins Grundwasser gelangt sind. Lt. Mitarbeiter - Interview mit einem Exxon-Mobil Mitarbeiter werden die Chemikalien aufsteigen (spätestens in 10 Jahren) und in die Grundwässer gelangen und dies ist den Konzernen bekannt.

    Wer möchte hier schnelles Geld verdienen? Natürlich die Engeriekonzerne und das wieder einmal ohne Rücksicht auf Verluste. Wir müssen Fracking nicht schön reden. Es sind gefährliche Chemikalien die in den Boden und leider auch in die Oberfläche kommen, da Konzerne bei der Förderung immer unsauber arbeiten. Schauen Sie sich einmal an, wass BP und Shell in Afrika angerichtet haben. Zum Thema Subventionen: Die Erneuerbaren Energien haben Subventionen verdient da sie unabhänige von einem Rohstoff machen sowie die Kernergie keine Zukunft hat. Sie erwirtschaftet tägl Millionengewinne mit den alten Atomkraftwerken und erhalten enorme Subventionen. Auch diese Energiegewinnung wurde immer als sauber und ungefährlich dargestellt. Jetzt haben wir das Problem mit der "Entsorgung" des gefährlichsten Müll der Welt, da er sich nicht entsorgen sondern nur zwischen lagern lässt.

    Ebenso wird von Erdbeben und -stößen berichtet, die im Zuge des Frackings entstanden sind (siehe die britische Stadt Blackpool). Da ein großer Teil der potentiellen Förderungsgebiete im nördlichen NRW liegen (Kreis Steinfurt und Borken) entsteht eine zusätzliche Gefahr durch die dort angesiedelte Atomindustrie (KKW Lingen, Urenco in Gronau und das TBL Ahaus). Deswegen ist die Gewinnung von unkonventionellem Erdgas strikt ab- zulehnen. Selbst eine aggressive Entwicklung von Schiefergas in Europa konnte höchstens einen ein- stelligen Prozentsatz der europäischen Gaslieferungen ausmachen. Es wird nicht gegen den anhaltende Trend der rückläufigen inländischen Produktion und steigende Abhängigkeit von Importen helfen. Wir müssen zukunftsorientiert handeln und nicht für kurzfristige Gewinne der Konzerne sorgen.

  • @Realist

    Der Ehrlichkeit halber sollten Sie aber auch erwähnen, dass keinerlei Chemilaien ins Grundwasser gelangt sind!

    Und der Flowback wird in tief liegende Aquifere verpresst. Das Lagerstättenwasser kommt dahin zurück, wo es hergekommen ist und wird nicht in Kläranlagen entsorgt.

    Die ganze Diskussion ums Fracking ist hochgradig unehrlich, denn es geht gar nicht um technische Fragen (die lösbar snd), sondern um Politik.

    Die Verfechter alternativen Energien fürchten um ihre Subventionen durch die Konkurrenz billigen Erdgases.

    Auch die Russen (Gazprom) wollen keine Konkurrenz für ihr Erdgas aus der Ostsee Pipeline (Northstream), bzw, zur geplanten Southstream.

    Es sind seit 1961 in D über 300 Bohrungen gefrackt worden, und Umweltschäden am grundwasser sind nicht aufgetreten. Wenn es wirklich um das Grundwasser ginge, warum kämpfen sie dann nicht gegen den Eintrag von Gülle, Pestiziden, Düngemitteln, Scheibenwaschwasser (Tenside) und Streusalz? Die Mengen an Chemikalien/Giftstoffen sind um ein vielfaches höher als mögliche Verunreinigunen durch Fracking und zudem flächendeckend über ganz D verteilt, während die Flächen für Fracking auf kleine Gebiete in Niedersachsen und NRW begrenzt sind.

  • @ Geologe: Bei einer Bohrung in Niedersachsen wurde das wassertoxische und hormonell wirkende Octylphenol nachgewiesen. Es schädigt Entwicklung und Fortpflanzung und ist schon in minimalen Konzentrationen hochgiftig. Auch Tetramethylammoniumchlorid, das nicht einmal in kleinsten Mengen ins Grundwasser gelangen darf, wurde vermehrt eingesetzt. Tetramethylammoniumchlorid ist giftig bei Hautkontakt und lebensgefährlich bei Verschlucken. Auch wenn giftige Chemikalien nur wenige Prozent der Fracking-Flüssigkeit ausmachen, ist die absolute Menge giftiger Stoffe, die in die Erde verpresst werden, beachtlich. So leitete Exxon in der Nähe der Ortschaft Damme rund 12 Millionen Liter Flüssigkeit in den Untergrund. "Nur" 0,2 Prozent waren Chemikalien. In absoluten Zahlen: 24 000 Liter. Gefährlich wird es, wenn Fracfluid ins Grundwasser gelangt. Doch nicht nur die Frackingflüssigkeit selbst gefährdet das Trinkwasser. Gase, vor allem Methan, können durch Risse entweichen und in das Grundwasser gelangen. Laut dem Tyndall Centre for Climate Change Research sind in den USA Betriebs- und Konstruktions-fehler beim Fracking eine häufige Ursache von Grund-wasserverunreinigungen. In einigen Frackinggebieten der USA ist das Grundwasser nicht mehr trinkbar. Die Anwohner werden mit Wasserwägen beliefert. Auch in Pennsylvania waren 13 Quellen mit Methan, Arsen, Barium, Glykolen, Phenolen und anderen Chemikalien verseucht, die höchstwahrscheinlich von nahen Fracking-Aktivitäten kommen. Einige Quellen explodierten sogar.
    Das Rücklaufwasser, der so genannte "Flowback", muss aufgrund der verwendeten Gifte entsorgt werden. Der Flowback ist oft stark radioaktiv belastet. Radon und andere Radionuklide können durch die Fracking-Methode an die Erdoberfläche kommen. Auch Salze, Schwermetalle und Substanzen wie Benzol oder Reaktionsprodukte aus den verschiedenen Zusätzen können sich im Rücklauf-wasser befinden. Es kann daher nicht in kommunalen Kläranlagen entsorgt werden.

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