Zwölf Mitglieder für begrenzte Zulassung zu therapeutischen Zwecken
Ethikrat hält am Klonverbot fest

Therapeutisches Klonen soll in Deutschland auch künftig nicht erlaubt sein. Der Nationale Ethikrat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, das geltende Verbot „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ beizubehalten. Zugleich forderte das von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingesetzte 25-köpfige Gremium die Bundesregierung auf, das Embryonenschutzgesetz zu verschärfen und therapeutisches Klonen eindeutig unter Strafe zu stellen.

BERLIN. Die Entscheidungen des Gremiums sind für die Politik allerdings nicht bindend. Außerdem forderte der Rat wenige Tage vor Beginn neuer Beratungen der Vereinten Nationen über ein internationales Klonverbot ein weltweites Verbot des reproduktiven Klonens. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) begrüßte das Votum. Dagegen warnte der Stammzellenforscher Jürgen Hescheler vor den „schwer wiegenden ökonomischen Folgen“. Dem Kölner Wissenschaftler ist es erstmals gelungen, aus menschlichen embryonalen Stammzellen Herzmuskelzellen zu züchten. „Wir sind in diesem Bereich der Bio-Forschung führend gewesen.“ Nun würden andere Länder wie Israel und Schweden die Patente erwerben. Sollte es eines Tages anwendbare Therapien geben, müsse das deutsche Gesundheitssystem sie teuer einkaufen, sagte Hescheler dem Handelsblatt. Die Kirchen und Unionspolitiker kritisierten, dass der Rat sich nicht zu einer grundsätzlichen Ablehnung des therapeutischen Klonens entschlossen habe.

Während das Klonen von Menschen zu Fortpflanzungszwecken in den meisten Ländern verboten ist, haben viele Staaten das therapeutische Klonen erlaubt, weil sie sich davon die Entwicklung von Heilmethoden für schwere Krankheiten erhoffen. Ein erster Versuch, eine weltweite Ächtung jedes Klonens durch die Uno zu erreichen, war 2003 gescheitert.

Die FDP Gentechnikexpertin Ulrike Flach äußerte die Erwartung, dass der Rat sich für eine Lockerung des Verbots stark machen werde, sobald „andere Länder therapeutische Erfolge“ in der embryonalen Stammzellforschung „vermelden können“.

Tatsächlich sprachen sich zwölf Mitglieder, darunter Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, der Molekularbiologe Jens Reich, der Theologe Richard Schröder und das DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer, in dem 70-seitigen Gutachten des Rates dafür aus, das therapeutische Klonen schon jetzt unter engen Auflagen zuzulassen. Nur fünf Mitglieder, darunter der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans Jochen Vogel, lehnen das therapeutische Klonen grundsätzlich ab.

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