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10.07.2008 

Doch was mag der Ministerin in den Momenten durch den Kopf gehen, da nur gewandert und nicht geplaudert wird? Denkt sie an die im ersten Halbjahr gestemmte große GmbH-Reform, die neuen Finanzmarktgesetze, das modifizierte Familienrecht? Sinniert sie über ihre erbitterten Kämpfe mit Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) über das BKA-Gesetz, die Online-Durchsuchung und das Bundesmelderegister? Erinnert sie sich an ihren Auftritt vor dem BND-Untersuchungsausschuss, bei dem sie beteuerte, sie habe über geheime CIA-Gefangenenflüge über deutschem Hoheitsgebiet nichts gewusst?

Ruft sie sich ins Gedächtnis, wie sie mit Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Brüsseler Kritik am VW-Gesetz abtropfen ließ? Oder den Moment, in dem sie sich aus Taktgefühl im Kabinett als eine der wenigen gegen die Erhöhung der Abgeordnetendiäten stellte? Oder kommen der Naturfreundin so mitten im Wald wieder die obskuren Anfeindungen in den Sinn, sie profiliere sich mit ihrem Dienstwagen – einem Audi A8 TDI mit 246 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer – als Umweltsünderin?

Vielleicht denkt Zypries in diesem Moment auch an ihren Parteivorsitzenden Kurt Beck, der als Urlauber an der Mosel radelt. Letztlich ist doch vor allem der Pfälzer Schuld, dass sich die Justizministerin in diesem Jahr bei ihren Wählern besonders ins Zeug legen muss. Die Umfragewerte der SPD sind katastrophal: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen die Sozialdemokraten dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend zufolge nur auf 25 Prozent.

Und der SPD-Parteichef selbst stürzt in den Umfragen auf die schlechtesten Werte ab, die jemals für ihn gemessen wurden. Wäre das auch so, hätte Beck nach der Landtagswahl in Hessen ein Bündnis mit der Linkspartei kategorisch ausgeschlossen, statt ein solches freizustellen?

Lange kann Zypries darüber jedoch nicht nachdenken. Für die heutige Wandertour haben sich ein paar Dokumentarfilmer angemeldet. Sie wollen in der Natur mit Zypries über das Urheberrecht debattieren. „Die haben gesagt, sie bekämen sonst doch nicht die Gelegenheit, zweieinhalb Stunden mit einer Ministerin zu sprechen“, erzählt Zypries. „Aber zweieinhalb Stunden lang können sie das auch heute nicht. Sie sind ja nicht die Einzigen, die mitgehen.“

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