0 Bewertungen
16.01.2008 
VW-Gesetz

Zypries weist Porsche in die Schranken

Die Bundesregierung will den Einfluss des größten Volkswagen -Aktionärs Porsche auch künftig begrenzen. Trotz der von der EU erzwungenen Änderung des VW -Gesetzes will Bundesjustizministerin Brigitte Zypries Veto-Rechte des Staates und der Arbeitnehmer bei Europas größtem Autobauer retten. Die Eckpunkte des neuen Gesetzes müssen allerdings noch abgestimmt werden.

Porsche hält derzeit 31 Prozent an VW. Foto: dpaLupe

Porsche hält derzeit 31 Prozent an VW. Foto: dpa

HB BERLIN. Die SPD -Politikerin kündigte am Mittwoch in Berlin an, die Verlagerung von Produktionsstätten solle auch künftig an die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter im Volkswagen -Aufsichtsrat gebunden bleiben. Auch würde Niedersachsens Landesregierung den Plänen zufolge mit ihrem Anteil von 20 Prozent weiter alle bedeutsamen Entscheidungen in der Hauptversammlungen blockieren können. Porsche hält derzeit 31 Prozent der Anteile. Deutschland muss das VW -Gesetz ändern, weil der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Oktober Teile für illegal erklärt hatte.

Formal soll die Rolle des Staates zwar aus dem VW -Gesetz gestrichen werden. So kündigte Zypries an, die Beschränkung der Stimmrechte jedes Aktionärs auf 20 Prozent aufzuheben. Diese war vom EuGH kritisiert worden, der wesentliche Teile des Gesetzes auf eine Klage der EU-Kommission hin verworfen hatte. Allerdings sollen wichtige Entscheidungen nach Zypries' Entwurf auch künftig von Eignern mit einem Anteil von 20 Prozent verhindert werden können. Porsche könnte also seinen vollen Stimmanteil in die Waagschale werfen, dennoch aber bei wichtigen Fragen an Niedersachsen mit seinen 20 Prozent scheitern.

Streichen will Zypries auch die vom EuGH verworfene gesetzliche Regelung, dass Bund und Land Vertreter in den Aufsichtsrat schicken dürfen. Allerdings könnte diese Entsendung künftig durch die Satzung von VW geregelt werden, deutete das Justizministerium an. Das Aktienrecht sehe vor, dass in Unternehmenssatzungen die Entsendung von bis zu einem Drittel der Aufsichtsratsmitglieder geregelt werden kann. Dies entspreche bei VW drei Sitzen. "Die Entsendungsrechte der öffentlichen Hand werden dementsprechend durch die Satzung der Volkswagen AG geregelt."

Die Eckpunkte des neuen Gesetzes will Zypries mit CDU/CSU abstimmen. Danach soll das Gesetzgebungsverfahren beginnen. Die EU-Kommission hatte gegen das VW -Gesetz geklagt, weil sie darin eine Hürde für den freien Kapitalverkehr sah. Sie hatte bemängelt, Investoren würden durch die festgeschriebene starke Rolle des Staates abgeschreckt. Porsche hatte seinen VW -Anteil mit dem sich abzeichnenden Ende der Hürden aufgestockt. Die Aktie lag am Vormittag rund drei Prozent im Minus, Volkswagen legte knapp ein Prozent zu.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Konjunkturbeschleuniger verzweifelt g...

    Konjunkturbeschleuniger verzweifelt gesucht

    Wie soll die schwächelnde Konjunktur wieder angekurbelt werden? Im Umfeld der Bundesregierung kursieren die unterschiedlichsten Modelle. Den Stein der Weisen hat aber noch keiner gefunden. Fakt ist: Dem bereits geschnürten ersten Wachstumspaket soll ein zweites folgen....Bildergalerie 

  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 07:05 Uhr von Nobert Häring

Wenn die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgleitet, muss die Wirtschaftspolitik Gewohnheiten aus normalen Zeiten hinterfragen. Das gilt auch für die Geldpolitik. Innerhalb weniger Wochen haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum dramatisch verändert. Da ist das übliche Finetuning der Zinsen in kleinen Schritten nicht mehr sinnvoll. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Letztes Aufgebot  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 05:19 Uhr von Helmut Hauschild

Vor allzu viel deutscher Euphorie sei tgewarnt. Die aktuelle Personalrochade könnte ein kurzes Hurra für die Bundesregierung sein. Kommentar