Einem schwachen Jahresende folgt ein solider Jahresauftakt. So lässt sich zumindest die aktuelle Prognose des Handelsblatt-Barclays-Indikators für die deutsche Konjunktur zusammenfassen. Nach einem schwachem Jahresende erwartet der Handelsblatt-Barclays-Indikator eine Beschleunigung.
FRANKFURT. Das Barometer sagt für das erste Quartal 2008 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,45 Prozent im Vorquartalsvergleich vorher - nach gerade einmal 0,2 Prozent im vierten Quartal 2007. Für das laufende Gesamtjahr liegt die Prognose bei 1,7 Prozent.
Die Konjunkturexperten von Barclays Capital berechnen den Indikator monatlich exklusiv für das Handelsblatt und haben das Ziel, das aktuelle Wirtschaftswachstum deutlich vor der amtlichen Statistik zu beziffern. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht eine vorläufige Wachstumsrate rund sechs Wochen nach Ablauf eines Quartals - für das vierte Quartal werden die Wachstumsraten am Donnerstag bekannt gegeben.
Den unterliegenden Wachstumstrend halten die Barclays
-Experten
zu Jahresbeginn zwar für schwach - das zeige die geringe Zuversicht und Aktivität im Servicesektor. Das Wachstum werde aber im ersten Quartal zeitweise durch einen starken Anstieg der Anlageinvestitionen getrieben. Mit entscheidend dafür sei das ungewöhnlich milde Wetter im Januar. Der private Konsum dürfte sich in einem Umfeld schwachen Konsumvertrauens und erhöhter Inflation dagegen nur schleppend entwickeln, nach einem vermutlich starken Schlussquartal.
Infografik: Handelsblatt Barclays-Indikator.
Ausschlaggebend für die Schwäche der deutschen Wirtschaft am Jahresende waren mehrere Ursachen: Das produzierende Gewerbe hatte im Dezember zwar mehr erzeugt als im Vormonat (0,8 Prozent), teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mit. Im gesamten vierten Quartal erhöhte sich die Erzeugung gegenüber dem Vorquartal aber nur um 0,5 Prozent und damit deutlich schwächer als im Durchschnitt der drei Vorquartale mit rund 1,5 Prozent.
Auch der Außenhandel entwickelte sich am Jahresende schwach: Die Ausfuhren sanken gegenüber November um 1,2 Prozent, wohingegen die Einfuhren um 5,3 Prozent zunahmen.
Das zurückliegende Gesamtjahr lief für die deutschen Außenhändler jedoch insgesamt erfolgreich: Die Ausfuhren stiegen trotz der Flaute zum Jahresende auf den historischen Höchststand von 969,1 Mrd. Euro, die Einfuhren kletterten auf 770,4 Mrd. Euro, meldete das Statistische Bundesamt. Damit legten die deutschen Ausfuhren verglichen mit dem Jahr 2006 um 8,5 Prozent, die Einfuhren um 5,0 Prozent zu.
"Trotz leichter Bremsspuren zum Jahresende ist es erneut gelungen, den Titel des Exportweltmeisters zu verteidigen", kommentierte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner. Eine leicht nachlassende Weltkonjunktur, die durch eine mögliche Rezession in den USA zusätzlich an Kraft verlieren könne, und auch ein weiter schwacher Dollar würden das Exportieren nun allerdings nicht einfacher machen.
Auch Barclays Capital senkte kürzlich seine Wachstumsprognose für die Euro-Zone für das Gesamtjahr auf 1,6 Prozent von 1,8 Prozent. Im ersten Vierteljahr rechnen die Konjunkturexperten mit 0,3 bis 0,4 Prozent Wachstum. Damit sind sie für das Währungsgebiet leicht pessimistischer als für die größte Volkswirtschaft der Region - Deutschland.




