0 Bewertungen
15.09.2008 
Simbabwe

À la Kenia

von Christoph Rabe

So brutal wie Robert Mugabe hat sich kaum ein Staatsmann an seine Macht geklammert. Nach drei Jahrzehnten autoritärer Herrschaft muss sich der 84-Jährige nun zwar mit seinem Widersacher Morgan Tsvangirai arrangieren, doch er bleibt im Amt und genießt weitgehende Befugnisse. Ist das nun eine gute oder schlechte Nachricht? Absehbar ist, dass die Ära Mugabe sich dem Ende zuneigt. Schlimmer als er hat selten ein Diktator sein Land zugrunde gerichtet. Eine vollkommen verkorkste Landreform, kaum in Zahlen zu fassende Hyperinflation und nackte Repression gegen die Opposition haben Simbabwe zum Armenhaus Afrikas gemacht. So gesehen kann es eigentlich nur aufwärtsgehen.

Das "kenianische Modell", die gemeinsame Herrschaft der Gegner, wird in Simbabwe einen Aufschwung aber nur dann einleiten, wenn sich die tief zerstrittenen Parteien tatsächlich zusammenraufen. Angesichts von Mugabes Machtanspruch scheint das aber noch längst nicht ausgemacht. Die Opposition mag die Mehrheit der Kabinettsmitglieder stellen, aber Mugabe hat es bislang noch immer verstanden, die Zügel in der Hand zu behalten. Dass er Tsvangirai seine Erfahrung für die Regierungsgeschäfte anbietet, mutet angesichts des desolaten Zustands Simbabwes mehr als Drohung denn als Ermunterung an.

Fest steht, dass Simbabwe aus der Misere nur mit kräftiger Unterstützung des Auslands wieder herausfinden kann. Die Geberländer geraten dadurch in eine missliche Lage. Was auch immer sie unternehmen, um Simbabwe zu stabilisieren - sie unterstützen zwangsläufig den alten Despoten. Hilfsgelder sind in Simbabwe bislang allzu schnell in dunklen Kanälen versickert. Die EU ist daher gut beraten, dem Duo Mugabe/Tsvangirai nicht ohne Sicherheiten unter die Arme zu greifen. Faire Wahlen sind dabei die Mindestforderung.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige