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09.10.2008 
Tarifpolitik

Alles ist anders

von Andreas Rinke

Es ist erst wenige Monate her, da wurden die Gewerkschaften aus der Politik kollektiv und parteiübergreifend angefeuert. Sogar die Kanzlerin setzte sich für hohe Lohnabschlüsse ein. Holt euch von den gut verdienenden Firmen, was euch zusteht, lautete der Anfeuerungsruf. Während der noch brummenden Konjunktur glaubte die Politik damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können: Die schleppende Binnennachfrage sollte angekurbelt werden, indem man durch Lohnerhöhungen die Kaufkraft stärkt. Und in der "Gerechtigkeitsdebatte" sollten höhere Löhne den Unmut vieler Angestellter beseitigen, vom Aufschwung abgehängt zu werden.

Doch nun ist alles anders. Die Finanzkrise sorgt für einen dramatischen Paradigmenwechsel in fast allen Bereichen des wirtschaftlichen und politischen Lebens - und damit auch in der Tarifpolitik. Plötzlich wirkt die Acht-Prozent-Forderung der IG Metall nur noch kurios und deplatziert. Kein Politiker außerhalb der Linkspartei wird es heute noch wagen, solche Forderungen zu unterstützen. Denn im Wahljahr 2009 lautet das entscheidende Schlagwort nicht mehr "Teilhabe", sondern nur noch "Sicherheit". Und wenn der IWF die Wachstumsprognose für Deutschland im kommenden Jahr auf 0,0 Prozent senkt, klingt dies nach allem Möglichen - aber auf keinen Fall nach Spielraum für Verteilungskämpfe.

Keine Frage, eine Kurskorrektur wird nicht einfach sein für den tarifpolitischen Tanker IG Metall, der für seine Mitglieder gerade erst Fahrt auf eine satte Lohnerhöhung aufgenommen hat. Nötig ist sie dennoch. Denn der ansonsten absehbare Tarifstreit nutzt niemandem: nicht der Gewerkschaft, die plötzlich weltfremd wirkt, nicht den Firmen und am allerwenigsten den Beschäftigten.

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