Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt zu aktuellen Themen Stellung - mit bester Laune. Foto: dpa
BERLIN. Pressekonferenzen beruft man ein, um etwas Berichtenswertes mitzuteilen. Außer, man ist Bundeskanzlerin und heißt Angela Merkel. Sie hat heute diese Regel durchbrochen: Auf ihrer Sommer-PK gab es keine Nachricht, keine Botschaft. Das Medium war die Message: Merkel selbst. Ausformuliert würde die Botschaft lauten: Macht euch keine Sorgen, genießt den Sommer, ich lächele alle Probleme weg.
War noch im Vorfeld erwartet worden, die Kanzlerin würde dem Koalitionspartner beim Mindestlohn einheizen, so zeigte sie sich am Mittwoch über die Niederungen des politischen Streits erhaben. Wieder eine versteckte Botschaft: Merkel spielt nicht mehr in derselben Liga wie die SPD, sie ist die überparteiliche Kanzlerin gesamtdeutscher Nation. Deswegen muss sie sich auch nicht streiten mit den Sozialdemokraten, erklärt nur ohne jede Schärfe und mit großer Geduld, wo diese irren.
Natürlich ist das alles Pose und genau kalkuliert, deshalb darf auch der Vizekanzler nicht mit in die PK. Gemeinsame Auftritte mit ihrem Vize – damals Müntefering, heute Steinmeier – gehören der Vergangenheit an. Heute gäben die das falsche Bild, eins der gleichen Ebene oder Vergleichbarkeit. Das wünscht Merkel nicht mehr.
Auch gegenüber ausländischen Aufmerksamkeits-Konkurrenten achtet sie penibel auf diese Abstufung. Barack Obama erwähnt sie nicht als Barack Obama, sondern als „Senator Obama“ – formal korrekt wird der Superstar in sein kleines Senatorentöpfchen gesteckt. Aber natürlich freut sie sich auf ihn!
Witzig ist die Kanzlerin, auch das zeigt sie. Warum sie nicht wollte, dass der Senator am Brandenburger Tor spräche, erklärt sie damit, dass sie doch nur ihre Meinung gesagt habe, und schließlich sei das hier ein freies Land und ihr werde manchmal vorgeworfen, sie habe keine Meinung. Auch die Frage nach einer künftigen Schultermassage à la George Bush wehrt sie nicht ab sondern meint, sie würde sich zumindest nicht dagegen sperren.
Doch die Lockerheit täuscht nicht darüber hinweg, dass sie immer noch überall versteckte Fallen wittert: Ob und wann Vollbeschäftigung möglich sei, da will sie sich partout nicht festlegen, „wie oft sind die 3,5 Millionen Arbeitlosen versprochen worden“ und man habe ja gesehen, was dann passierte, platzt es in Erinnerung an ein fatales Schröder-Versprechen aus ihr heraus. Dann quält sie die Satzschraube „ich halte es für realistisch, dass wir uns darum bemühen, auf Vollbeschäftigung hinzuwirken“ heraus. Daraus kann man beim schlechtesten Willen kein „versprochen – gebrochen“ machen.
Auch die ganz harmlose und klare Frage, was ihre wichtigste außenpolitische Entscheidung des vergangenen Jahres gewesen sei, irritiert die Kanzlerin: „Was meinen sie mit vergangenes Jahr, das ganze 2007?“ Doch wer da glaubt, die Kanzlerin in eine Frontstellung zu ihren politischen oder gar innerparteilichen Gegnern bringen zu können, läuft ins Leere.
Sachkundig und ohne jede Polemik bleibt Merkel bei ihrer Rolle der Mutter der Nation: Sie hat die richtigen Antworten und weist alle Konkurrenten auf ihre Plätze. Zwei Drittel der Deutschen finden sie sympathisch, sogar die Partei ist ganz leicht im Aufwind. Was fehlt da noch zum Glück? Bayreuth. Ab morgen ist Merkel dort. Sie gönnt sich den ganzen Ring.

