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08.01.2009 
Zinspolitik

Alternative Medizin

von Michael Maisch

Allmählich geht den Notenbanken die Munition im Kampf gegen die Finanzkrise aus, zumindest die konventionelle. In den USA haben die Währungshüter den Zins bereits auf quasi null Prozent gesenkt, und in Großbritannien könnte das auch schon bald der Fall sein, nachdem die Bank of England gestern den Leitsatz auf den tiefsten Stand seit 300 Jahren heruntergeschraubt hat.

Wenn der Patient so krank ist, dass die übliche Medikation nicht mehr anschlägt, wird es Zeit, über alternative Behandlungsmethoden nachzudenken. Das tun die Notenbanker bereits. Derzeit verlängern die Zentralbanken ihre Bilanz entweder durch die direkte Kreditvergabe wie in den USA oder durch den großzügigen Ankauf verbriefter Kredite wie in Europa. In beiden Fällen wird so Liquidität geschaffen oder, vereinfacht gesagt, "Geld gedruckt".

In Großbritannien ziert sich Finanzminister Darling noch etwas, aber am Ende wird auch ihm wohl nichts anderes übrigbleiben, als die Druckmaschinen anzuwerfen. Kritiker fürchten, dass durch die großzügige Ausweitung der Geldmenge bereits die nächste gefährliche Blase vorbereitet wird. Diese Gefahr ist allerdings gering, zumindest verglichen mit dem Risiko der Untätigkeit. Hinter der Angst vor der nächsten Blase steckt letztlich die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft die Krise schnell abschütteln kann und Ende 2009 oder spätestens 2010 wieder zur Tagesordnung übergeht und auf einen stabilen Wachstumskurs einschwenkt.

Doch diese Hoffnung könnte sich als trügerisch erweisen. Die Fehler, die jetzt korrigiert werden, sind so gewaltig, dass die Aufräumarbeiten sehr viel länger dauern könnten, als viele hoffen. Deshalb tun die Notenbanker recht daran, jetzt auch die nichtkonventionellen Waffen auszupacken.

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