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29.08.2008 
Phänomen Obama

Amerika verstehen

von Markus Ziener

So sieht machtvolles Selbstbewusstsein aus: Barack Obama hat am Donnerstagabend demonstriert, was er will. Nicht etwa ehrenhaft mitspielen um den wichtigsten Job in den USA, sondern mit voller Kraft voraus ins Weiße Haus einziehen. Es ist keine Kleinigkeit, souverän vor 80 000 Zuschauern diesen Anspruch zu formulieren. Doch genau das hat Obama getan, mit Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit zugleich. Erneut hat der 47-Jährige bewiesen, dass kein anderer aus dem Kandidatenfeld mit großen Menschenmengen so gut umzugehen weiß. In den USA, die auf diesem Gebiet so völlig anders funktionieren als Europa, ist das ein großes Pfund.

Dies gilt auch für die Symbolik und das Pathos. Laufsteg, neo-klassizistische Säulen, Feuerwerk und Multimedia wirken zunächst bombastisch und auch anmaßend. Denn immerhin ist Obama immer noch "nur" Kandidat für das höchste Amt der USA. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Doch Amerika tickt anders. In einem Land, in dem Reichtum, Besitz und beruflicher Aufstieg nicht versteckt werden, sondern gerne präsentiert, kommt die Obama-Show dieses Donnerstags gut an. Sicher nicht bei allen, aber doch bei sehr vielen. Zudem verkörpert Obama mit seiner Biographie tatsächlich zu einem Gutteil das, was er verspricht: Den amerikanischen Traum.

Ist nach dieser Rede klarer geworden, was er will? Ja und nein. Denn Obama hat so viele Baustellen in den USA ausgemacht, die er alle reparieren will, dass einem schwindlig werden kann. Nicht weniger als mehrere Megareformen strebt Obama an: Im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich, für die Mittelklasse - um lediglich drei der wichtigsten zu nennen. Wenn er nur auf einem dieser Felder am Ende vorankommt, wäre dies ein großer Erfolg. Aber auch das ist Amerika: Nach den Sternen greifen, auch wenn dabei vielleicht nur ein paar Sternschnuppen hängen bleiben.

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