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05.11.2008 
Obama

Amerikas Kraft zur Erneuerung

von Markus Ziener

Es ist eine Fähigkeit, um die die Welt das Land beneidet: Es kann sich immer wieder selbst erneuern. Genau das haben die USA mit der Wahl von Barack Obama ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. Wo andere Völker angesichts von Krisen und Kriegen auf die sichere Karte setzen, wo sie das Risiko scheuen, unternimmt Amerika das Gegenteil. Es baut auf einen Mann, der Hoffnung und Wandel verkörpert – mit allen Chancen und auch Unsicherheiten, die dies birgt. Es wählt nicht nur zum ersten Mal einen Afro-Amerikaner zum Präsidenten. Die Bürger der USA entscheiden sich für klaren Schnitt, für den Neuanfang. Das ist mutig und diesem Mut gebührt größter Respekt.

Obama legte dabei einen langen Weg zurück. Er kämpfte sich an die Spitze gegen eine Vielzahl von Widrigkeiten: Unerfahrenheit, Vorurteile, Außenseiterstatus, eine zähe Widersacherin in der eigenen Partei und einen formidablen Gegner im Lager der Republikaner. Barack Obama hat sich in diesen 20 Monaten Wahlkampf verändert, ist gereift, hat vieles von dem abgelegt, was ihm zu Beginn noch zum Vorwurf gemacht wurde. Der 47-Jährige ist nüchterner geworden, bescheidener und in der Aussage klarer. Er wurde nicht mehr alleine von jugendlichen Enthusiasten gewählt, die ihn zu Beginn noch vor allem auf der Erfolgswelle getragen haben. Obama ist zu einem Kandidaten geworden, der für eine breite Mehrheit akzeptabel wurde.

Für die USA bedeutet die Wahl eines schwarzen Politikers nicht weniger als ein Quantensprung. Dass Amerika, das vor wenigen Jahrzehnten noch über die Rassenfrage tief zerrissen war, einen Afro-Amerikaner zu seinem Staatschef wählt, ist in seiner Bedeutung nicht zu überschätzen. Die USA des Jahres 2008 haben sich nicht als rassistisch erweisen, sondern als modern und als erwachsen. Eine Präsidentschaft Obama kann Frieden schließen mit der so schweren Last der amerikanischen Geschichte, der Sklaverei, der Unterdrückung der schwarzen Minderheit. Mit dieser Wahl haben sich die USA nun zu einem Gutteil selbst befreit von dieser Bürde. Gleichzeitig aber verlieren mit Obama auch bisher gültige Verhaltensmuster ihre Berechtigung: Etwa, dass viele Afro-Amerikaner keine Chance hätten, aus ihrem Ghetto zu entkommen. Dafür ist Obama nun der Gegenbeweis.

Der Goodwill, der Obama im Ausland entgegenschlägt, wird enorm sein. Er ist ein Pfund, über das in diesem Ausmaß nicht einmal Bill Clinton verfügte. Wenn Obama weise ist, dann kann er mit diesem Kapital gut arbeiten. Er kann die Last der Bush-Jahre hinter sich lassen, weil man ihm den Neuanfang ohne Zögern zubilligen wird. Sein klarer Wahlsieg verschafft ihm dazu einen so sicheren Stand, dass er selbstbewusst auftreten kann. Selbstbewusster als Bush, der seine erste Amtszeit einem Gerichtsurteil zu verdanken hatte und selbstbewusster auch als Clinton, der mit der Schützenhilfe eines dritten Präsidentschaftsbewerbers gewann. Obama hingegen hat den Sieg alleine und aus eigenen Stücken eingefahren. Das macht ihn unabhängiger – und lässt ihm politisch große Spielräume.

Sein Gegner John McCain hat in der Wahlnacht dabei wieder jene Größe gezeigt, für die er weithin verehrt und geachtet wird. Seine Worte des Respekts an Obama erleichtern den Neubeginn. Der neue Präsident hat angekündigt, über die politischen Gräben hinweg arbeiten zu wollen. McCain hat ihm hierfür die Hand gereicht. Obama wird sie gerne annehmen. Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt beginnt die Arbeit an der Bewältigung der vielen Krisen. Und für die kann Obama jede Hilfe gebrauchen.

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