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07.05.2008 
Investment-Banking

Analyse: Gebremste Lust

von Michael Maisch

Satte sieben Milliarden Euro Verlust in nur drei Monaten – das hat nichts mehr mit Schweizer Solidität zu tun. Falls es noch eines Beweises für die tiefe Misere im internationalen Investment-Banking bedurfte, die eidgenössische Großbank UBS hat ihn gestern erbracht.

Aber die einst so stolzen Schweizer liefern ja nur ein Beispiel von vielen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sieht das Bild in der gesamten Branche überall einheitlich düster aus: Verluste, die sich oft nur noch in zehnstelligen Beträgen messen lassen, garniert mit Massenentlassungen.

Die Fieberkurve des Investment-Bankings folgte schon immer dem Krankheitsbild der manischen Depression, auf Schübe übersteigerter Euphorie folgten stets Phasen tiefer Trauer. Die Branche scheint nur zwei Zustände zu kennen, Vollgas oder Vollbremsung. Doch dieses Mal hat sich etwas geändert im ewigen Zyklus aus Angst und Gier.

Die Banken stecken nicht nur in der tiefsten Krise seit 30 Jahren, sie haben den Politikern und Finanzaufsehern rund um den Globus auch einen gewaltigen Schrecken eingejagt. Mehr als einmal war das Weltfinanzsystem in den vergangenen Monaten bis kurz vor dem Bruch angespannt, und die Kontrolleure machen dafür nicht zu Unrecht die aus dem Ruder gelaufene Risikolust der Investmentbanker verantwortlich.

Deshalb wird die Geldbranche dieses Mal wohl nicht um einen tiefgreifenden Umbau herumkommen. Ein Umbau, der wie eine Beruhigungsspritze auf das adrenalingetriebene Investment-Banking wirken wird. Das Geschäft mit dem großen Geld könnte in Zukunft deutlich langweiliger werden – dafür aber auch erheblich stabiler.

Mit sehr viel Fantasie und noch mehr Geld haben Zentralbanken und Regierungen in den vergangenen Monaten verhindert, dass die Finanzbranche in der selbst verschuldeten Subprime-Krise unterging. Im Gegenzug fordern die Aufseher jetzt Reformen von den Geldhäusern. Durch den wachsenden Druck stehen plötzlich sogar heilige Kühe wie das Bonussystem der Investmentbanken zur Disposition.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es geht um mehr als Boni

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