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07.05.2008 

Erst vor wenigen Tagen machte der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, ganz offen die millionenschweren Sonderzahlungen mitverantwortlich für den Ausbruch der Kreditkrise, weil sie statt langfristigen Erfolgs die kurzfristige Gier belohnen und die Banker dazu treiben, höhere Risiken einzugehen, als dem eigenen Haus und der Gesamtwirtschaft zuträglich sind. Bonussysteme, die sich nicht nur am Erfolg eines Jahres, sondern an der Entwicklung über drei bis vier Jahre orientieren und nicht nur Gewinne, sondern auch die dafür eingegangenen Risiken berücksichtigen, sollen die Aggressivität der Banker in geordnetere Bahnen lenken. Attacken wie die von Notenbankchef King zeigen, dass die Kontrolleure den Glauben an die Selbstheilungskräfte des Marktes verloren haben und jetzt den Druck verschärfen, um Änderungen von außen durchzusetzen.

Aber es geht natürlich um weitaus mehr als um die Boni. Die Kreditkrise stellt große Teile des Geschäftsmodells vieler Investmentbanken infrage. In den vergangenen Jahren haben die Geldhäuser ihre Eigenkapitalrendite nach oben getrieben, indem sie einen immer größeren Teil des Geschäfts mit Krediten finanzierten. Dieser sogenannte Leverage-Effekt war einer der wichtigsten Treiber des Booms, der durch die Subprime-Krise ein so abruptes Ende fand. Jetzt, nach einer langen Serie von Hiobsbotschaften, stehen die Zeichen im gesamten Finanzsystem allerdings eindeutig auf „deleveraging“, also dem Abbau der Verschuldung und der Steigerung des Eigenkapitalanteils.

Hinzu kommt, dass die Aufseher die Investmentbanken drängen, sich künftig längerfristiger zu refinanzieren, um die Anfälligkeit gegenüber einem kurzfristigen Austrocknen der Liquidität zu verringern, wie sie dem Wall-Street-Haus Bear Stearns zum Verhängnis wurde. Für die Geldhäuser heißt das nichts anderes als steigende Finanzierungskosten.

Am Ende wird unter dem Strich eine dauerhaft niedrigere Eigenkapitalrendite stehen. Das ist zwar schlecht für die Aktionäre der Banken, aber besser für die Stabilität des gesamten Finanzsystems.

Insgesamt dürften die Reformen zusammen mit den traumatischen Erfahrungen der Subprime-Krise zumindest vorübergehend zu einem Neokonservatismus im Investment-Banking beitragen. Die neue Bescheidenheit sollte die heftigen Ausschläge zwischen Angst und Gier, zwischen Boom und Krise glätten. Viele Investmentbanker werden den „Kick“ vermissen, der so viel zum Glamour der Branche beigetragen hat. Den Finanzaufsehern rund um den Globus wird das erst einmal egal sein. Sie wollen nur eines: wieder ruhig schlafen können.

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