Es hätte der große Befreiungsschlag für EADS
werden sollen: Europäer liefern der Air Force 179 Tankflugzeuge und schaffen damit den Durchbruch auf dem riesigen US-Rüstungsmarkt. Doch daraus wird erst einmal nichts. Der Auftrag wird wohl neu ausgeschrieben - man ist geneigt anzufügen, damit am Ende der Sieger Boeing
heißt.
Der Strom schlechter Nachrichten will für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS
einfach nicht abreißen. Blickt man auf die vergangenen Monate, so mehren sich die Krisenzeichen. Aus dem Traum von einst, dass Deutschland, Frankreich und Spanien einen Luftfahrt- und Rüstungsgiganten schaffen, wurde ein Alptraum.
Machten früher die Machtkämpfe des Topmanagements Schlagzeilen, so giften sich jetzt auch die Belegschaften an. Franzosen wird der Zutritt zum Werk in Hamburg verwehrt. Und französische Airbus-Mitarbeiter blicken mit Unverständnis auf die Auslandszulagen ihrer 2 000 deutschen Kollegen, die in Toulouse bei der Verkabelung der A380 helfen. Mit Bemerkungen, die Deutschen in Toulouse würden "zu viel Zeit am Kaffeeautomaten" verbringen und die Rentabilität des Airbus-Werkes in Toulouse drücken, gießt EADS
-Chef Louis Gallois auch noch Öl ins Feuer. Auch wenn die Pressestelle anschließend eilig das Gesagte zu korrigieren versuchte.
Der Sparplan "Power 8", bei dem 10 000 Stellen gestrichen und bis zu sechs Werke verkauft werden sollen, sorgt an der Basis weiter für Frust. Dabei muss EADS
-Chef Gallois den Sparplan wegen des Dollar-Verfalls noch weiter verschärfen. Spätestens im September wird die Ankündigung neuer Einschnitte erwartet. Der nächste Aufschrei von Politik und Gewerkschaften ist damit abzusehen. Und Deutsche und Franzosen werden sich wieder mit Sicherheit gegenseitig vorwerfen, dass der andere besser weggekommen sei.
Auf diesem brodelnden Dampfkessel versucht ein Topmanagement den Deckel zu halten, das in den kommenden Monaten wegen des Verdachts auf Insiderhandel von der französischen Justiz vorgeladen wird. Bis zu einer Verurteilung haben zwar alle Beteiligten das Recht, als unschuldig zu gelten. Doch im harten Alltag helfen solche Unschuldsvermutungen nur wenig.
Wie soll Airbus geführt werden, wenn die französische Justiz, wie es häufig geschieht, den Verdächtigen im Zuge des Verfahrens den Kontakt miteinander verbietet? Im Extremfall dürfte dann Airbus-Chef Tom Enders nicht mehr mit seiner Nummer zwei, Fabrice Brégier, reden. Die Verfahren zu den Insidervorwürfen werden sich Jahre hinziehen. Sie drohen aber jetzt schon die ohnehin heikle Balance an der EADS
-Spitze zu kippen.
Selbst wenn es diese Probleme nicht gäbe, hätte EADS
alle Hände voll zu tun: Beim Superairbus A380 ist die komplizierte Verkabelung immer noch ein Problem. Dem Militärairbus A400M droht eine weitere Verspätung. Und das neue Langstreckenflugzeug A350 ist zu schwer.
Vor diesem Krisenhintergrund kann EADS
nicht einmal auf seine Eigentümer zählen. Daimler
und der französische Familienkonzern Lagardère würden lieber gestern als heute ihre Anteile loswerden. Arnaud Lagardère erscheint nicht einmal mehr zum Aktionärstreffen. Dabei war EADS
der Traum seines Vaters: Er hatte diesen Konzern einst mitbegründet.


