Ehud Barak, der Chef der israelischen Arbeitspartei, setzt den politischen Partner unter Druck. Er werde nur in der Koalition bleiben, falls die Regierungspartei Kadima nach dem erwarteten Rücktritt von Premier Ehud Olmert eine neue Spitze bestelle, die ihm zusage, drohte Barak gestern. Doch so laut er auch poltert: An Neuwahlen ist er nicht interessiert. Er kann sich nämlich keine Chancen ausrechnen, ins Büro des Premierministers einzuziehen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob er erneut Verteidigungsminister würde.
Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge des unter Korruptionsverdacht stehenden Olmert vertreten zwar in entscheidenden politischen Fragen diametral entgegengesetzte Positionen. Doch Barak ist nicht wählerisch. Sowohl mit dem derzeitigen Transportminister Schaul Mofas als auch mit Außenministerin Zipi Liwni würde er sich irgendwie arrangieren.
Liwni gilt als Politikerin, die auf Konsens und Ausgleich bedacht ist. Sie ist eine Verfechterin der Friedensverhandlungen mit Syrien und den Palästinensern, warnt auch vor einer Invasion des Gazastreifens. Mofas, der ehemalige Generalstabschef und Verteidigungsminister, ist hingegen ein Hardliner. Er will nichts davon wissen, die Golanhöhen an Syrien zurückzugeben. In der vergangenen Woche hat er zudem mit seiner Drohung weltweit Schlagzeilen gemacht, gegen das iranische Atomprogramm militärisch vorzugehen.
Liwni hat parteiintern freilich die besseren Chancen als Mofas, Olmerts Erbe anzutreten. Denn nur eine Kadima unter dem Vorsitz der populären Ministerin hätte bei Neuwahlen das Zeug, Benjamin Netanjahu als Premierminister zu verhindern. Barak kann es recht sein. Anders als Mofas wird die in Sicherheitsfragen völlig unerfahrene Liwni auf ihn hören müssen.


