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14.10.2008 
Bankenrettung

Das Gesetz des Handelns

von Frank Wiebe

Schneller als die Panik auf den Finanzmärkten weiter um sich greifen konnte, haben die Politiker den Prozess mit einem Rettungsprogramm gestoppt. Jetzt darf das Gesetz des Handelns nicht mehr aus der Hand gegeben werden. Wenn das gelingt, haben wir historische Stunden erlebt.

Die Politiker haben etwas geschafft, was man ihnen kaum zutrauen sollte: Sie haben die Finanzmärkte überholt. Schneller als die Panik sich dort weiter ausbreiten konnte, haben sie den Prozess mit einem Rettungsprogramm gestoppt und sich dabei zuletzt auch auf ähnliche Grundpositionen geeinigt. Die wichtigsten lauten: staatliche Angebote zur Rekapitalisierung der Banken plus Absicherung des Interbankenmarktes, damit das Geld innerhalb des Sektors wieder fließt. Man muss den Politikern Respekt zollen, schließlich sind demokratische Strukturen nicht für solche Aktionen geschaffen – und die Banker sollten als erste den Hut ziehen.

Jetzt kommt alles darauf, dass die Politik das Gesetz des Handelns nicht mehr aus der Hand gibt. Wenn das gelingt, haben wir historische Stunden erlebt.

Wichtig ist, sehr genau zu beobachten, wie die einzelnen Rettungsprogramme wirken. Denn es gibt erhebliche Unterschiede etwa zwischen dem amerikanischen, dem britischen und dem deutschen Modell. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hat am Wochenende fast obsessiv immer wieder davor gewarnt, durch Unterschiede in der Regulierung wieder neue Probleme zu schaffen, und viele seiner Kollegen teilen die Sorge: Geld fließt sehr schnell dahin, wo sich die Investoren am sichersten fühlen. Daher gilt: Sobald es Anzeichen für Verwerfungen gibt, muss die Politik reagieren – und dabei wieder das Kunststück hinbekommen, schneller als die Märkte zu sein.

Der wesentliche Punkt: Die Amerikaner und die Briten zwingen ihre großen Banken de facto, staatliches Kapital zu nehmen. In Deutschland ist genau das nicht geplant. Die USA bieten allen Banken im Rahmen von 250 Milliarden Dollar Vorzugsaktien an, wollen aber die größten Häuser des Landes praktisch nötigen, das Geld zu nehmen. „Wir wollen auch gesunde Finanzkonzerne ermutigen, sich an dem Programm zu beteiligen“, lautet die offizielle Parole, als Umsetzung kam aber für die großen Konzerne eher eine Einladung im Stil von Don Corleone heraus. Ein paar Tage kurz nach dem Beinahe-Absturz des Finanzsystems braucht die Regierung keine juristischen Zwangsmittel, um sich durchzusetzen. Die Logik der US-Politik: Nur unter Druck werden alle wichtigen Banken die Auflagen des Hilfsprogramms und die Verwässerung ihrer Rendite, die sich durch zusätzliches Eigenkapital ergibt, akzeptieren. Ohne Druck versuchen einige, so auszukommen, und die anderen stehen dann als Verlierer da, so dass der ganze Prozess möglicherweise stockt.

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