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08.01.2009 
Leitartikel

Der Exportweltmeister ist angezählt

von Thomas Hanke

Der kräftige Einbruch der deutschen Exporte ist mehr als nur ein Indiz dafür, dass die Rezession äußerst heftig ist. Unser Wachstumsmodell der vergangenen Jahre steht in Frage. Die Auslandsnachfrage dürfte noch lange schwächeln, und das trifft Deutschland besonders: In den vergangenen Jahren sind wir von einer exportstarken Nation zu einer Volkswirtschaft geworden, die übermäßig von ihren Lieferungen in andere Länder abhängt.

Knapp die Hälfte unserer Wirtschaftsleistung beruht mittlerweile auf der Nachfrage des Auslands. In weniger als zwei Jahrzehnten hat sich dieser Anteil nahezu verdoppelt. "Wo liegt das Problem, wenn wir so gut sind?" könnte man fragen. Die Schwierigkeiten beginnen, wenn wichtige Partner im Handel mit uns ein Defizit einfahren. Sie müssen sich verschulden, damit unser Exportmotor weiter brummen kann. Überspitzt könnte man formulieren: Deutschlands Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren das Modell China imitiert - hohe Exportüberschüsse, schwach entwickelter Binnenmarkt. Wie in China war auch unsere Konsumquote rückläufig, und der Importzuwachs hinkte den Ausfuhren weit hinterher. Die EU-Kommission weist Berlin seit langem auf diese offene Flanke hin, Reaktion:keine.

Es hat bis 2008 ja auch gut funktioniert, weil die USA und einige europäische Partner die hohen Defizite im Handel mit uns finanzierten. Unser Positivsaldo geht auf nur wenige Länder zurück: Frankreich, die USA, Großbritannien und Spanien. Deren Einfuhren hielten unsere Fabriken am Laufen.

Doch leider hat der ausgabefreudige US-Verbraucher keinen Kredit mehr und muss auf die Bremse treten. Großbritanniens Wirtschaft welkt mit der Finanzkrise dahin, Spanien wacht nach einer langen Fiesta mit einem ungeheuren Kater auf, und Frankreich kämpft seit geraumer Zeit mit Wachstumsschwäche. Unsere wichtigsten Handelspartner stecken nicht nur in einer Konjunkturkrise, sondern haben eine strukturelle Anpassung vor sich, die Jahre dauert. In dieser Zeit halten sie die Taschen zu.

Bislang war bei uns noch die Ansicht verbreitet, unter dem Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte werde vor allem China leiden. Irrtum: Durch die globalen Lieferbeziehungen erwischt es gerade auch die Bundesrepublik. Der Rekordabsturz unserer Ausfuhren ist ein schriller Weckruf dafür. Und weil es auch unsere wichtigsten europäischen Partner voll aus der Kurve schleudert, ist Europa kein tröstendes Heimspiel mehr.

Was muss geschehen, damit die Lage sich langsam bessert? Wenn wir weiter kräftig in die EU liefern wollen, müssen wir mehr an die Partner denken. Wir dürfen bei der europäischen Wirtschaftspolitik, aber auch Konjunkturförderung aus eigenem Interesse nicht so tun, als endete unser Verantwortungsbereich an der deutschen Grenze. "Davon profitieren die anderen" kann kein Argument mehr sein gegen sinnvolle Maßnahmen.

Gleichzeitig müssen wir die interne Nachfrage stärken. Viele Dienstleistungen dämmern am Rande des Illegalen dahin, die mit geordneten Märkten expandieren könnten. Und: Die beschäftigungsfreundliche Politik nach 2003 war erfolgreich, die Einkommensverteilung wurde ausgewogener. Dieser Kurs muss gehalten werden.

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