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15.06.2008 
Steuern

Deubels Paradies

von Thomas Sigmund

Rheinland-Pfalz hat eine pfiffige Idee in die Tat umgesetzt. Sein Finanzminister kann zukünftig nicht nur mit niedrigen Steuersätzen um neue zahlungskräftige Kundschaft werben. Ingolf Deubel lockt potenzielle Investoren ab sofort mit einem zusätzlichen Köder an. Steuerberater und Finanzbeamte sollen laut einem Verhaltenskodex zukünftig friedvoll miteinander arbeiten, um dem Steuerzahler das Zahlen so leicht wie eben möglich zu machen. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Nerven, die der Unternehmer für wichtigere Projekte braucht.

Das zwischen Finanzverwaltung und Steuerberatern abgeschlossene Regelwerk liest sich wie ein Stück aus dem Steuerparadies. Auf den Fluren der Finanzämter herrscht bald nur noch Harmonie. Wütende Telefonanrufe und knallende Türen gehören der Vergangenheit an. Unternehmer drohen nicht mehr mit der Verlagerung von Jobs ins Ausland, wenn ihnen die Steuerhöhe nicht passt. Finanzbeamte üben als Reaktion darauf keinen Druck durch die Androhung von noch höheren Steuerschätzungen aus. Wahrhaft himmlische Zustände: Haben beide Seiten nach der Betriebsprüfung ihren "Vertrag" über die Steuerhöhe geschlossen, soll der Finanzbeamte nicht mit dem Fegefeuer drohen, wenn er auf einmal doch noch Steuersünden entdeckt hat. Auf knappen drei Seiten haben Steuerverwaltung und Berater 14 solcher Regeln festgelegt, die das Herz jeden Steuerzahlers in die Höhe springen lässt.

Doch Papier ist geduldig, und das komplizierte Steuerrecht kann auch durch die schönsten Benimmregeln nicht ausgehebelt werden. Die Praxis muss erst zeigen, ob sich Berater und Finanzbeamte im Streitfall auf das Papier wirklich berufen können und es auch Konsequenzen hat. Trotzdem, es ist zum Vorteil des Steuerzahlers ein Anfang gemacht.

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