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20.07.2008 
Kommentar

In der CSU geht die Angst um

von Thomas Sigmund

Die Angst unter der professionellen Oberfläche der Siegeszuversicht ist in der CSU mit Händen zu greifen. Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber rattern zwar auf dem Parteitag die gewohnte Erfolgsbilanz bei Bildung, Wirtschaft und Sicherheit des Freistaats herunter. Kanzlerin Angela Merkel fasste das alles kurz mit dem Satz zusammen: "Bayern ist da, wo der Bund hin will". Doch auf keinem Parteitag debattierten die Delegierten wohl so offen über das Undenkbare, den Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl.

Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: Rauchverbot, Transrapid, BayernLB-Skandal, Hausärzte-Streik. Die Problemliste für das Führungsduo schien vor ein paar Monaten überhaupt nicht mehr enden zu wollen. Doch in den letzten Wochen arbeiteten Huber und Beckstein einen Punkt nach dem anderen ab. Der Untersuchungsausschuss zur Bayern-LB endete ohne jedes Ergebnis, das Rauchverbot wurde vor der Landtagswahl aufgeweicht, der Transrapid-Flop weggeredet und die Hausärzte können sich über ein paar schöne Finanzspritzen bei der Gesundheitsreform freuen.

Schlechter sieht es aber bei der Bindewirkung der Partei im Flächenstaat aus. Der Slogan Laptop und Lederhose hört sich gut an, doch es gibt, um im Bild zu bleiben, immer weniger Lederhosen. Die CSU will etwa am traditionellen Familienbild festhalten und gleichzeitig etwas für die Alleinerziehenden und "Zweitfamilien" tun. Oder die tausenden "Zugezogenen" aus dem hohen Norden, die einfach nicht bayerisch christsozial sozialisiert sind. All das ist neu und braucht neue Konzepte. Fehlen die, kostet das Wählerstimmen. Doch angesichts der schwachen Opposition in Bayern dürfte das allein nicht genügen, um den 50-Prozent-Showdown vor der Landtagswahl im September zu erklären.

Der fulminante Auftritt der Bundeskanzlerin hat deutlich gemacht, wo die eigentliche Schwäche der Partei liegt. An Angela Merkel als Kanzlerin führt kein Weg vorbei. Die CSU hat mit Huber und Beckstein derzeit keine Alternative auf der Bundesebene zu bieten, ganz im Gegensatz zu den Zeiten von Strauß und Stoiber.

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