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03.07.2008 
Zinsentscheid

Die EZB darf nicht leichtsinnig werden

von Marietta Kurm-Engels

Die Falken im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich durchgesetzt. Trotz zunehmend schlechter Nachrichten zur Wirtschaftsentwicklung und der sich wieder verschärfenden Finanzkrise hat der Rat den Euro-Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent erhöht.

Die EZB fürchtet, dass ihr als Folge der hohen und steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise die Inflationserwartungen ausreißen könnten. Noch liegen sie auf Jahresfrist bei drei Prozent. Die Inflationsrate ist aber inzwischen auf vier Prozent geklettert. Preisstabilität zu gewährleisten, das einzige Ziel der EZB, ist in weite Ferne gerückt. An den Märkten wird auch 2009 nicht damit gerechnet.

Sie spannende Frage ist jetzt, ob das alles von der Zinsfront war. Volkswirte weisen zu Recht darauf hin, dass Preissteigerungen bei Energieträgern keine Inflation sind, sondern Einkommenstransfers an die energieerzeugenden Länder. Die müssen von den Bürgern getragen und ertragen werden. Die Sorge der EZB sind aber die so genannten Zweitrunden-Effekte: Dass die Arbeitnehmer versuchen werden, die Einkommensverluste durch höhere Lohnforderungen auszugleichen und die Unternehmen die gestiegenen Kosten zu überwälzen versuchen.

Spätestens an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Selten waren mit Blick auf die "richtige" Zinspolitik so viele Meinungen im Markt. Schon die heutige Zinserhöhung sei vor dem Hintergrund der sich abschwächenden Konjunktur ein Schlag für die weitere Wirtschaftsentwicklung, meinen die einen. Vor allem die Unternehmen hätten bei sinkender Nachfrage gar keine Chance Preissteigerungen durchzusetzen. Sie müssten diese jetzt schon in ihren Gewinnmargen auffangen.

Die EZB müsse zuerst einmal sicherstellen, dass es nicht zu Zweitrunden-Effekten komme und die Inflation bekämpfen, meinen die anderen. Noch sei die Kapazitätsauslastung so groß, dass eine leichte Wachstumsabschwächung zu verkraften sei. Sollte die Inflation unerwartet stark zurückgehen, könne die EZB immer noch die Zinsen senken.

Die Meinungen im Markt dürften das Meinungsspektrum im EZB-Rat widerspiegeln. Man kann nur hoffen, dass der Rat nicht leichtsinnig wird und notfalls weiter strafft. Denn wenn die Inflation erst einmal Momentum gewonnen hat, ist sie nur noch schwer zu stoppen. Wie war das noch? Man kann ebenso wenig ein bißchen Inflation haben wie ein bisschen schwanger sein.

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