Sicher ist, dass die neuen Marktteilnehmer, Banken oder Fonds, die Neigung zu Ausschlägen auf den Weltölmärkten nach oben wie unten verstärken. Verursachen sie aber auch hektische Richtungswechsel? Oder verfestigen sie eher langfristige Preistrends? Finanzplayer wie Goldman Sachs, die schon frühzeitig mit besonders hohen Ölpreisprognosen aufgefallen sind, argumentieren, dass ihre Einschätzungen weniger kurzfristige Faktoren als langfristige Verknappungen widerspiegeln.
Es spricht einiges dafür, dass die Erschließungs- und Produktionskosten in kartellungebundenen Regionen überdurchschnittlich steigen werden. Hinzu kommt, dass auch in Nicht-Opec-Ländern wie Russland das Gewicht von Staatsunternehmen zunimmt. Private Energieunternehmen haben heute nur noch Zugang zu 80 Prozent der nachgewiesenen Erdölvorräte.
Auf der andern Seite schreitet der technische Fortschritt im Explorations- und Produktionsbereich erheblich voran. Konnten früher nur 15 bis 25 Prozent der Felder ausgebeutet werden, so liegen heute die Raten doppelt so hoch. Entscheidend wird zudem sein, ob sich die Entwicklungs- und Schwellenländer subventionierte Erdölpreise auf Dauer leisten können. Sollten sie Weltmarktpreise zulassen, dürfte der Wachstumsschub rasch enden.
Die Hochpreisphase ist somit keineswegs stabiler Natur. Die Entwicklungs- und Produktionskosten selbst sehr schwierig zu gewinnender flüssiger Treibstoffe, zum Beispiel aus Kohle, liegen höchstens im Bereich von 60 US-Dollar je Barrel. Weltweit bestehen zudem noch große Spielräume, Ölprodukte in bestimmten Einsatzbereichen wie der Stromerzeugung oder den Wärmemärkten relativ kostengünstig durch Konkurrenzenergien zu ersetzen. Sollte die Flexibilität im Raffineriebereich erhöht werden, was sich abzeichnet, so sind weitere Entlastungen in Sicht. Genauso schnell, wie Spekulanten zuletzt ihre Kaufpositionen erheblich erhöht haben, können diese Player auf Baisse setzen und verkaufen. Es spricht also einiges dafür, dass die Ölblase dasselbe Schicksal wie die Internet- oder die Immobilienblase erfährt.

