Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm gehen in die entscheidende Phase. EU-Chefdiplomat Javier Solana reist am Samstag nach Genf, um den iranischen Unterhändler Said Dschalili zu treffen. Dies dürfte so ziemlich die letzte Chance sein, die Krise um das iranische Atomprogramm friedlich zu lösen. Die Militärmanöver in Iran und Israel lassen ahnen, was passieren könnte, wenn diese Chance ungenutzt verstreicht.
Auch die USA haben den Ernst der Lage erkannt. Erstmals seit dem Beginn der Verhandlungen vor vier Jahren wollen sie sich nun in die Gespräche einschalten. Für die EU ist dies eine gute Nachricht, schließlich fordern die Europäer seit langem ein größeres Engagement der Amerikaner. Allerdings haben die USA die Erwartungen an das Treffen schon im Vorfeld gedämpft. Direkte Verhandlungen mit Dschalili kämen nicht infrage, heißt es in Washington. US-Unterhändler William Burns will vor allem den Druck auf Teheran erhöhen, das Atomprogramm endlich aufzugeben.
Eine Kehrtwende in der amerikanischen Iran-Politik ist das noch nicht. Allerdings könnte das Treffen in Genf eine solche Wende einleiten. Wenn Dschalili positiv reagiert und auf die Forderungen des Westens eingeht, werden auch die USA den Dialog fortsetzen, vielleicht sogar auf höherem Niveau.
Burns ist nur die Nummer drei im State Department. Erst wenn sich Außenministerin Condoleezza Rice oder US-Präsident George W. Bush einschalten, können die Dinge wirklich in Bewegung kommen. Erst wenn die USA direkt mit Iran verhandeln, ist ein Durchbruch denkbar. Die Europäer allein sind zu schwach, um den Atomstreit zu lösen, das haben die letzten Jahre gezeigt. Doch wenn USA und EU an einem Strang ziehen, wird alles möglich.


