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30.06.2008 
4,0 Prozent Inflation

Eine magische Zahl

von Elga Lehari

Rein rechnerisch liegt nur ein Zehntelprozentpunkt zwischen der von Bankvolkswirten erwarteten Inflationsrate in der Euro-Zone und der jetzt vorliegenden Vorabschätzung des Statistikamtes Eurostat. Gefühlsmäßig handelt es sich für viele Verbraucher jedoch um einen großen Sprung. 4,0 Prozent hören sich nun einmal bedrohlicher an als 3,9 Prozent. Gerade für viele ältere Bürger in der Bundesrepublik kehrt damit ein Gespenst zurück.

Inflation - also Geldentwertung und Kaufkraftentzug - wird hier zu Lande bei viel niedrigeren Raten als in den anderen vor allem südeuropäischen Ländern als Risiko für Wirtschaft und Vermögen empfunden und eingeschätzt. Immerhin ist der Preisanstieg derzeit in Deutschland wie in der Euro-Zone der stärkste seit rund 15 Jahren. Die gefühlte Inflation dürfte durch die Konzentration des Preisanstiegs auf Heizenergie, Benzin und bestimmte Nahrungsmittel noch höher sein, da die Bürger damit bei ihren täglichen Einkäufen konfrontiert werden. Der derzeitige vor allem sich rasch aufbauende Preisschub stellt sogar das "Teuro"-Gefühl nach der Euro-Bargeldeinführung in den Schatten.

Für die Europäische Zentralbank ist die Situation durch die neue Rekord-Teuerung in der Euro-Zone - sie ist immerhin doppelt so hoch wie die angestrebte Obergrenze für Preisstabilität - nicht einfacher geworden. Einerseits mehren sich die Anzeichen, dass sich die Wirtschaft bereits in einem konjunkturellen Abschwung befindet und bis ins Jahr 2009 hinein unterdurchschnittlich wachsen wird. Eine weitere Aufwertung des Euros dürfte diesen Prozess noch verstärken. Andererseits muss die EZB entschlossen genug steigenden Inflationserwartungen entgegen treten. Da die magische Grenze von 4,0 Prozent - dem neuen Rekord seit Einführung des Euros zum 1. Januar 1999 - bereits erreicht ist, kann die EZB am Donnerstag wohl kaum auf eine Leitzinserhöhung verzichten, ohne unglaubwürdig zu werden. Schließlich hatte ihr Präsident diesen Schritt schon zu einem Zeitpunkt angedeutet, als die Inflationsrate im Mai erst auf 3,7 Prozent geklettert war.

Außerdem: Bei den 4,0 Prozent wird es in den nächsten Monaten aller Voraussicht nach nicht bleiben, selbst wenn der Ölpreis nicht weiter steigen sollte. Für einige Monate ist schon wegen der Vergleichsbasis aus dem Vorjahr mit Teuerungsraten von 4,x Prozent zu rechnen. Deshalb wird seit heute wieder munter darüber spekuliert, ob es nur bei einem Zinsschritt bleiben wird oder ob ihm nicht weitere folgen werden. Viel hängt davon ab, ob der drastische Preisanstieg sich im Kern auf die bisherigen Übeltäter beschränkt oder nicht. Die EZB wird deshalb Preispolitik der Unternehmen wie die Lohnpolitik mit Argusaugen beobachten.

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