Es gibt drei globale Bedrohungen, denen sich die EU stellen muss. Erstens müssen wir uns mit Gefahren des Klimawandels und der Unsicherheit der Energieversorgung befassen. Wenn wir jetzt nicht die richtigen Entscheidungen treffen, steigen die Emissionen in zehn Jahren immer noch, und wir werden noch abhängiger von knappen und unsicheren Öl- und Gaslieferungen.
Deshalb sollte Europa reagieren und sich an die Spitze einer klimafreundlichen Energierevolution stellen. Wir können Normen für Autos und Geräte vorgeben, die den technologischen Standard voranbringen, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Über das EU-Emissionshandelssystem können wir einen globalen Markt für CO2-Zertifikate schaffen, der Milliarden von Dollar zur Förderung sauberer Energietechnologien in China, Indien und Afrika bereitstellen könnte.
Zweitens hat Europa den größten Binnenmarkt der Welt. Aber er ist noch nicht in allen Bereichen verwirklicht. Wir müssen den Binnenmarkt vollenden, damit Installateure, Rechnungsprüfer und Architekten ihre Dienstleistungen europaweit ebenso ungehindert anbieten können, wie Händler ihre Waren verkaufen. Statt sich den Forderungen nach Protektionismus zu beugen, sollte Europa außerdem auf ein neues globales Handelsabkommen drängen.
Drittens wird Europas Sicherheit bedroht durch die Instabilität außerhalb seiner Grenzen, durch Konflikte und scheiternde Staaten bis hin zu Terrorismus. Deshalb sollten wir in zehn Jahren an einem Punkt sein, wo wir auf die Normalisierung der Lage auf dem Balkan zurückblicken können. Die Türkei sollte bis dahin der EU angehören als Brücke zur muslimischen Welt. Wir sollten darüber diskutieren, Nordafrika und dem Nahen Osten einen besseren Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu geben und dadurch Stabilität zu fördern und Demokratie zu verankern, wie das bei Osteuropa der Fall war. Und EU und Nato sollten, anknüpfend an Präsident Sarkozys jüngste Vorschläge, sehr viel effektiver zusammenarbeiten, um Konflikte zu lösen und Krisen zu bewältigen.
Dies alles sind praktische Probleme, die eine Zusammenarbeit in Europa erfordern. Der ursprüngliche Zweck der EU war ein historischer, womöglich sogar ein poetischer. Vielleicht sind jetzt prosaischere Zeiten angebrochen. Jetzt muss Europa seine Kernaufgaben definieren und danach handeln. Ich denke, das ist der beste Weg, um das Vertrauen der Bürger in das europäische Projekt zurückzugewinnen. Wenn wir uns weiter auf die richtigen Themen konzentrieren, können wir ein überzeugendes Plädoyer für Europa ablegen. Genau das müssen wir jetzt tun.


