Die Industriestaaten sind meilenweit davon entfernt, ihre klimapolitischen Ziele zu erreichen. Das belegen die Zahlen, die der Finanzkonzern Allianz und der Umweltschutzverband WWF jetzt gemeinsam vorgelegt haben. Ist es da überhaupt sinnvoll, immer neue, noch ehrgeizigere Ziele zu formulieren? Klaffen Anspruch und Wirklichkeit nicht so weit auseinander, dass man sich zunächst einmal dem Machbaren widmen sollte und erst dann dem Wünschenswerten? Beim G8-Gipfel in Hokkaido Anfang nächster Woche müssen sich die Industriestaaten diesen Fragen stellen. Und es gibt nur eine Antwort.
Denn das Wünschenswerte ist in Wahrheit nichts anderes als das dringend Erforderliche. Diese Erkenntnis setzt sich durch, seit der Klimaschutz auf dem G8-Gipfel von Gleneagles im Jahr 2005 zu einem der bestimmenden Themen wurde. In Heiligendamm vor gut einem Jahr hatten die G8-Staaten unter deutscher Präsidentschaft vereinbart, mindestens eine Halbierung des globalen Kohlendioxidausstoßes bis 2050 "ernsthaft zu prüfen". Mit dem "ernsthaften Prüfen" ist es nun nicht mehr getan. In Hokkaido müssen sich die Industriestaaten auf das weltweite 50-Prozent-Ziel festlegen. Für die Industriestaaten bedeutet das eine Reduktion von 80 Prozent.
Nur wenn die Industriestaaten verbindlich werden, lassen sich Schwellen- und Entwicklungsländer davon überzeugen, beim Klimaschutz mitzuziehen. Und das wiederum ist Voraussetzung für einen Erfolg des Weltklimagipfels in Kopenhagen im nächsten Jahr. Die Realität sieht in der Tat ernüchternd aus: Die Kohlendioxidemissionen der G8-Staaten steigen, statt zu sinken. Genau das ist der Grund, warum man sich den Problemen mit verbindlichen Zielsetzungen stellen muss. Wegducken gilt nicht. Der Weg zu einer CO2-armen Wirtschaft ist steinig, aber ohne Alternative.
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