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08.09.2008 
SPD

Faust in der Tasche

von Daniel Goffart

Was blieb Andrea Nahles und Andrea Ypsilanti am Tag danach übrig? Faust in der Tasche ballen und lächeln, lautete die Devise. Die beiden Frontfrauen des linken SPD-Flügels machten bei der Sitzung von Vorstand und Präsidium der SPD erwartungsgemäß gute Mine zu dem als böse empfundenen Spiel. "Volle Unterstützung" versprachen sie zähneknirschend dem frisch gekürten Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Zum neuen Parteichef Müntefering allerdings verloren beide kein Wort - beredtes Schweigen nennt man das wohl. Auch der umstrittene Kurs auf rot-rot-grün in Hessen wird sich nicht ändern, mag der Kanzlerkandidat auch noch so oft vor dem politischen Abenteuer warnen.

"Beck ist weg, Münte ist back" - für den linken Flügel der SPD ist das mehr als ein lustiges Wortspiel. Der personelle und programmatische Durchmarsch der alten Schröderianer Müntefering und Steinmeier an die Spitze der Sozialdemokratie hat den Linken einen argen Dämpfer versetzt. Mit Beck, der immerhin einige Korrekturen an der verhassten Agenda-Politik durchgesetzt hatte, glaubten sich die Nahles & Co noch im Aufwind. Nach dem Sonntags-Putsch vom Schwielowsee hat sich die Lage nun schlagartig geändert. Allerdings verkennt man auch auf der linken Seite der SPD auch nicht, dass Beck mit seinem Schlingerkurs und seiner fehlenden Ausstrahlung die Partei ins 20-Prozent-Ghetto geführt hat. Mit einer neuen, starken Führung kann die gesamte SPD auf mehr Zuspruch hoffen - die Frage ist, von welcher Seite der Applaus kommt.

Entscheidend für die Wahlkampfchancen der Genossen ist, wie lange die Linken ruhig halten wird und ob sich ein innerparteilicher Richtungskampf zumindest bis zum Wahlabend verhindern lässt. Am Montag schon sickerten erste Überlegungen durch, die Verschiebung der innerparteilichen Koordinaten durch inhaltliche Zugeständnisse und personelle Ausgleichsmaßnahmen wenigstens etwas zu korrigieren.

So soll etwa der Generalsekretär oder einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden oder der Fraktionschef nach dem Ausscheiden von Peter Struck ein Vertreter der Linken sein, lautet die Forderung. Das zielt auf Hubertus Heil und Peer Steinbrück. Beide sind links der Mitte umstritten. Eine neue Rolle wartet auf Olaf Scholz, den Arbeitsminister, der auch auf der Linken vermittelbar scheint. Er könnte Peter Struck als Fraktionschef beerben.

Das Gegrummel und die bislang noch halblaut vorgetragenen Ausgleichforderungen zeigen, dass Dampf im roten Kessel ist. Auf Steinbrück und Müntefering wartet ein schweres Jahr bis zur Bundestagswahl.

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