Auf dem Gipfel der sieben großen Industrieländer und Russlands stehen in Japan brisante Themen auf der Agenda: Der Klimawandel erfordert drastische Maßnahmen, der Ölpreisschock und die Verteuerung von Nahrungsmitteln treffen Entwicklungs- und Industrieländer hart, die Finanzwelt ächzt unter den Folgen der Finanzkrise. Die Weltwirtschaft droht aus dem Tritt zu geraten. Haben die G8-Staaten noch genügend Einfluss, um all diese Verwerfungen zu bewältigen?
Lösungen für die brennenden Probleme werden die acht nicht im Alleingang präsentieren können. Seit Gründung des Führungsklubs der Industrieländer nach dem ersten Ölpreisschock hat sich die Welt grundlegend gewandelt. Heute haben Akteure Einfluss, die in den 70er-Jahren noch keine Rolle spielten. Die Industrienationen sind immer weniger dazu in der Lage, Krisen autonom zu lösen. Die G8 ist in die Jahre gekommen.
Nehmen wir die Finanzmärkte: Da tauchen als Retter in Not geratener Banken die Staatsfonds aus arabischen Staaten auf, die in keinem großen Forum vertreten sind. Bei der Ölpreisexplosion haben weder Förder- noch Verbraucherländer genügend Marktmacht, um die Teuerung zu bremsen. Die Dollar-Schwäche kann nicht analysiert werden, ohne mit China über US-Schatzanleihen zu sprechen. Im Welthandel steckt die Doha-Runde seit Jahren fest, weil sich Staaten wie Indien oder Brasilien nicht dem Takt der Europäer und Amerikaner unterordnen. Das spürt die G8 auch beim Klimawandel. Ohne Mitwirkung der Schwellenländer lässt sich die globale Erwärmung nicht aufhalten.
Die G8 ist an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit gelangt. Symbolische Schritte wie der mögliche Aufbau einer Getreidereserve sollen Handlungsfähigkeit beweisen, lösen die Probleme aber nicht. Hat die Gruppe sich deswegen überlebt?
Nein, aber sie muss neuen Kräften Rechnung tragen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat richtig erkannt, dass eine Lösung der Energiekrise ohne Mitwirkung der Schwellenländer nicht möglich ist. Die aber sitzen in Japan nur am Katzentisch. Sie werden zwar angehört, können aber nicht mitentscheiden. Das sollte sich ändern.
Die G8 zu einem Klub der 16 aufzublähen und von Brasilien über Mexiko, Saudi-Arabien, China oder Indien einfach viele weitere Mitglieder einzuladen wird das Dilemma nicht lösen, das da heißt: Politik und Wirtschaft werden durch zu viele Interessen getrieben, die außerhalb der Reichweite der G8 liegen. Aufgeben sollte man globale Konsultationen deswegen noch lange nicht. Aber ihre Agenda muss ebenso stärker fokussiert werden wie der Teilnehmerkreis.
Als globale Wirtschaftsmächte bleiben die USA und Europa als Teilnehmer gesetzt. Aber reicht als Vertreter Europas nicht die EU aus? Und muss Kanada mit von der Partie sein? Wie steht es um die aufstrebenden Länder Asiens und Lateinamerikas? Noch gibt es unter den Schwellenländern keine respektierten Führungsstrukturen. Aber die werden kommen und müssen sich in der G8 wiederfinden.
Die Gruppe wird ihre Legitimation als Führungsgruppe zudem nur behaupten, wenn sie global akzeptierte Lösungsvorschläge erarbeitet. Und je komplexer die Herausforderungen werden, desto mehr Mitwirkung des Südens braucht es. Erst wenn die G8 beides einlöst, kann sie wieder seriös unter dem Titel "Weltwirtschaftsgipfel" tagen.

