Grund zum Jubeln gibt es wahrlich nicht. Bis tief in die Nacht haben Banken und Versicherungen um die Details des Rettungspakets für die angeschlagene Hypo Real Estate
gerungen. Nur widerwillig wollte sich manch Marktteilnehmer an der Aktion beteiligen.
Schließlich ist längst nicht jeder in der Branche überzeugt davon, dass die Hypo Real Estate
nur ein Opfer der Kreditkrise geworden ist. Viele glauben, dass schwere Managementfehler den Immobilienfinanzierer in die Bredouille gebracht haben. Wer langfristiges Geschäft im großen Umfang kurzfristig finanzieren will, der sollte eigentlich selbst schauen, wie er wieder aus der Misere herauskommt.
Allein: Für alle Beteiligten stand zu viel auf dem Spiel. Natürlich hätte man die Hypo Real Estate
im Regen stehen lassen können. Ordnungspolitisch wäre das sauberer gewesen. Doch hätte eine Pleite des Dax-Konzerns unabsehbare Konsequenzen gehabt für die Wettbewerber. Unter den zu erwartenden Verwerfungen auf dem Pfandbriefmarkt hätten auch die Versicherer gelitten. Welche Kettenreaktion eine Hypo-Real-Estate-Pleite in der Branche ausgelöst hätte, weiß niemand. Es sind nicht die richtigen Zeiten, um das auszuprobieren.
Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke nannte die Auffanglösung Anfang der Woche einen "innovativen Ansatz" für die Refinanzierung in schwierigen Zeiten. Absurder geht es wohl nicht mehr, wenn der Steuerzahler einspringen muss, weil sich ein Privatunternehmen verzockt hat. In Wahrheit ist die Rettungsaktion ein Offenbarungseid für die Branche. Darum auch haben viele Beteiligte der Lösung nur zähneknirschend zugestimmt.
Ob die Kapitalspritze ausreicht, die Hypo Real Estate
nachhaltig wieder auf die Beine zu bringen, darf bezweifelt werden. Funke und seine Bank haben viel Kredit verspielt. Die Ratings sind bereits gefallen, Neugeschäft derzeit kaum realisierbar. Gut möglich, dass am Ende tatsächlich die geordnete Abwicklung steht, von der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück von Anfang an sprach.


