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27.06.2008 

Mit seinen aggressiven Leitzinssenkungen bis auf zwei Prozent und dem schwindsüchtigen Dollarkurs als direkte Folge hat Bernanke freilich einen gefährlichen Brandherd an anderer Stelle vernachlässigt. Die Inflationssorgen werden mit jedem Monat größer, die Preise steigen in vielen Bereichen rasant: Unternehmen stöhnen über dramatische Kostensteigerungen beim Einkauf von Rohstoffen.

US-Verbraucher – viele von ihnen hoch verschuldet – stehen kopfschüttelnd vor Tanksäulen und Supermarktregalen, weil selbst Grundnahrungsmittel wie Reis, Brot und Milch im Monatstakt teurer werden. Die Produzentenpreise sind im Mai per Jahresfrist um mehr als sieben Prozent gestiegen. Derweil ist das Verbrauchervertrauen in den Staaten zu Wochenbeginn auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren abgesackt. Sommerurlaube nach Paris, Milano oder Munich werden verschoben oder gestrichen, weil der Dollar nichts mehr hergibt.

Damit muss sich Bernanke vorwerfen lassen, eine zentrale Hausaufgabe der Notenbank nicht erledigt zu haben: Preise und Währung stabil zu halten. Die jüngsten Erklärungen zum Ende der Zinssenkungen in den USA sind eindeutig: Die Risiken hinsichtlich der Inflation bewertet die Fed mit einem Mal sichtbar höher als die Sorge davor, dass die US-Wirtschaft ins Minus abdriften könnte.

Der nächste Schritt der Notenbank, das ist leicht herauszulesen, dürfte eine Zinserhöhung sein – selbst auf die Gefahr hin, dass der neue US-Präsident im November als erste Amtshandlung die Rezession ausrufen muss. Ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt, dass stabile Preise eine wichtige Voraussetzung sind für kontrolliertes und stetiges Wachstum. Die USA sind auf einem anderen Weg.

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