Deutlicher und kühler als erwartet hat der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama in Berlin eine Botschaft übermittelt: Wir sind Partner, aber es wird anstrengend. Wer erwartet hatte, der Kandidat würde in Emotionen schwelgen und süße Versprechungen auftischen, wurde enttäuscht.
Die Erinnerung an die sowjetische Blockade der Stadt und die amerikanischen Rosinenbomber hatte Pathos, doch das war keine Seelenmassage. Die Erinnerung diente Obama nur als Parallele zu den Herausforderungen, vor denen die amerikanisch-europäische Allianz heute stehe. Damit hat er, der in Berlin fast wie ein Präsident auftrat, die Latte ziemlich hoch gelegt.
Ganz vornean steht für ihn der Kampf gegen den Terror, der in Afghanistan geführt wird. Niemand liebe den Krieg, aber: „Die Arbeit muss getan werden.“ Und nicht einmal die bittere Wahrheit hat er den Deutschen, den Europäern erspart: dass ein politischer Wechsel in Washington nichts an den schweren Aufgaben ändere, vor denen das Bündnis stehe. Das war eine freundliche Art, zu sagen, die Europäer sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass mit dem Abtritt von George Bush das Schlaraffenland ausbreche.
Dabei hat Obama politische Inhalte aufgezählt, die gerade der Bundesregierung durchaus sympathisch sind und Anknüpfungspunkte für eine engere Kooperation sind: nukleare Abrüstung, enge Zusammenarbeit mit Russland, eine starke EU, Freihandel, und – ganz am Ende – auch der Kampf gegen den Klimawandel. Aber all das hat einen klaren Preis, und Obama nannte ihn: Die Europäer müssten Verantwortung zeigen und „bereit zum Opfer“ sein.
Vielleicht enttäuscht die Nüchternheit. In politischer Hinsicht beruhigt, dass Obama viel fordert und wenig verspricht: Er wird dadurch berechenbarer.

