Klar: Nach einer Krise sind alle schlauer als vorher, und niemand verlangt von Köhler, dass er Asche auf sein Haupt streut. Wer aber selber an einer Schaltstelle des Weltfinanzsystems saß, sollte anschließend nicht von anderen ein „Mea culpa“ einfordern, wie der Bundespräsident es gerade getan hat. Es ist auch heute gar nicht sein Job, das deutsche oder globale Bankenwesen zu reformieren.
Hier wird ein grundlegendes Missverständnis deutlich: Köhler hat sich als jemand gesehen, der als Bundespräsident die Exekutive vor sich hertreibt mit allgemeinen Aufrufen zu mehr Reformen und mit Vorstößen, die weit in die Sachpolitik reichen. Damit ist er gescheitert, was nicht an eigener Unfähigkeit liegt. Einerseits prallte er an konstitutionelle Schranken, und andererseits kam nicht die Reformkoalition zustande, die er nach Angela Merkels Kalkül präsidial begleiten sollte.
Köhler wollte weiter springen, als der Park von Bellevue erlaubt. Dagegen hat er die Möglichkeiten des Amtes, ohne exekutive Kraft ein Thema zu setzen und nachdrücklich zu verfolgen, noch nicht wirklich ausgetestet. Dieses Versäumnis lässt sich nicht dadurch ausgleichen, dass er als Verstärker für populäre Stimmungen wirkt: Dann springt er zu kurz. Das richtige Maß muss er noch finden, will er nicht zum Sarkozy der Bundesrepublik werden, heftig wedelnd und doch wenig bewegend. Zeit hat er – in der zweiten Amtsperiode, die ihm wohl kaum zu nehmen ist.

