0 Bewertungen
14.02.2008 
Verdacht gegen Post-Chef Zumwinkel

Kommentar: Die Elite am Pranger

von Frank Wiebe

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, bei einer Pressekonferenz in Bonn. Archivfoto: dpaLupe

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, bei einer Pressekonferenz in Bonn. Archivfoto: dpa

Vielleicht ist ja gar nichts dran. Vielleicht lösen sich die Vorwürfe alle noch in Luft auf. Vielleicht entpuppt sich die ganze Affäre irgendwann als vorschnelle Inszenierung mediengeiler Staatsanwälte. Vielleicht – aber im Moment sieht es nicht so aus.

Sollte etwas dran sein an den Vorwürfen gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel, dann hätte er seiner Kaste den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen.

Wie sollen sich deutsche Manager noch gegen Vorwürfe der Raffgier und der Verantwortungslosigkeit wehren, wenn der dienstälteste Dax-Chef – ein hochangesehener, in der Politik gut verdrahteter, überaus erfolgreicher Mann – am Pranger steht? Wer kann dann noch Politikern ins Wort fallen, die sich vor Wahlen mit Managerbeschimpfungen und abstrusen Vorschlägen, Gehälter zu beschneiden, überbieten? Wer will seinen Mitarbeitern erklären, dass sie auch künftig Zurückhaltung üben müssen, um ihre Arbeitsplätze zu sichern? Und wer möchte glaubhaft darlegen, dass schmerzliche Werksschließungen wie bei Nokia in Bochum tatsächlich einer gewissen wirtschaftlichen Logik und nicht nur kurzsichtiger Profitsucht folgen?


Bildergalerie Bild für Bild: Wo Zumwinkel überall die Strippen zieht


Hinzu kommt: Der Fall „Zumwinkel“, wenn er denn einer ist, wäre eine peinliche Fortsetzung der Siemens-Affäre. Zwar kann man die beiden Skandale in vielen Punkten nicht vergleichen. Bei Siemens ging es um den ganzen Konzern, bei Zumwinkel geht es um seine Person. Trotzdem dürfte sich jetzt der Eindruck verfestigen, dass Deutschlands Managerelite – und zwar besonders die Generation mit grauen Schläfen oder weißem Haar – buchstäblich nicht ganz sauber ist; ein scheußliches Bild, auch im Ausland. Außerdem gibt es Gemeinsamkeiten: Korruption galt hierzulande ebenso wie Steuerhinterziehung allzu lange als Kavaliersdelikt – und das in besonderem Maße, wenn die Verfehlungen im Ausland stattfanden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche Konsequenzen sind zu ziehen?

Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Die Justiz sollte fair, aber gnadenlos verfahren. Denn wenn zusätzlich noch der Eindruck entsteht, dass die Elite besser behandelt wird als der Normalbürger, dann ist das auch für die Elite verheerend.

Zweitens sollten Manager – und zwar gerade die erfolgreichen – sich immer wieder klarmachen, dass sie nicht über den Spielregeln stehen, sondern sie besonders eifrig zu befolgen haben. Wer zur Elite gehört, muss sich auch so benehmen.

Drittens sollten aber auch die Leute, die im Umfeld von Topmanagern arbeiten, ihnen hin und wieder auf die Füße treten, wenn diese offensichtlich die Bodenhaftung verlieren. Das hilft als Vorbeugung gegen Affären ebenso wie manchmal auch im täglichen Geschäft.

Ganz hilfreich sind vielleicht auch die Anstrengungen, Nachwuchsmanager schon in der Ausbildung mit klaren Spielregeln für das Geschäftsleben zu konfrontieren. Und zwar nicht mit Ethik als „weichem“ Zusatzfach, das man nach dem Examen schnell wieder vergisst, sondern als integralem Bestandteil einer persönlichen Erfolgsstrategie.

Wenigstens in diesem Punkt haben spektakuläre Affären eine gute Seite: Sie geben ein schlechtes Beispiel. Sie zeigen, wie dumm es ist, sich eine überaus erfolgreiche Karriere am Ende noch zu ruinieren, weil man gedacht hat, bestimmte Spielregeln würden nur für die anderen gelten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige