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08.07.2008 
Atomkraftwerke

Längere Laufzeit gegen Strompreissenkung

von Daniel Goffart

Zwei simple Zahlen erklären, warum es heute wieder eine ernst zu nehmende Debatte über die Rückkehr der Kernenergie gibt: Als die rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomkraft erzwang, kostete das Barrel Rohöl zehn Dollar. Inzwischen liegt der Preis bei 140 Dollar - Tendenz steigend. Experten sehen Ende des Jahres sogar Rekordmarken von 200 Dollar und mehr voraus. Kein Wunder also, dass sich Politiker wie Verbraucher verzweifelt nach bezahlbaren Alternativen zu fossilen Brennstoffen umsehen. Der Klimaschutz nicht mehr die einzige Begründung für das Festhalten an der Risikotechnologie Kernkraft, wie es lange Zeit der Fall war.

Während in den USA und den schnell wachsenden Schwellenländern bereits Planungen für den verstärkten Neubau von Kernkraftwerken gedeihen, verharren die deutschen Parteien in ihren Schützengräben - noch. Doch die sozialen Folgen der sprunghaft steigenden Energiekosten haben inzwischen auch die SPD nachdenklich gemacht. Die Parteispitze möchte aber das Sommerloch nicht mit einer quälenden Atomdebatte füllen: Sie sucht das ungeliebte Kernkraftthema deshalb mit dem hämischen Hinweis zu ersticken, dass an den Tankstellen kein Atomstrom verkauft werde. Doch beginnen die ersten in der Sozialdemokratie, vorsichtig das Undenkbare zu denken: den Ausstieg aus dem Ausstieg.

Dabei geht es nicht um den Neubau von Kernkraftwerken, sondern um die Laufzeitverlängerung der sicheren deutschen Meiler. Die Anlagen sind größtenteils abgeschrieben und arbeiten sehr profitabel. Da müssten die Betreiber im Gegenzug für das unverhoffte Geschenk der Betriebszeitverlängerung die Strompreise senken können. Das wäre zumindest ein denkbarer Deal, den Bundeskanzlerin Angela Merkel schon einmal vertraulich mit der Stromwirtschaft sondiert hat.

Natürlich gibt es Bedenken und Einwände: Können längere Laufzeiten überhaupt dämpfend auf die Energiekosten wirken und wenn ja, ab wann? Wird mit stärkerer Nachfrage der Kernkraft weltweit nicht auch der Preis für Uran steigen? Entscheidet über den Preis pro Kilowattstunde nicht ausschließlich die Leipziger Strombörse? Ist der Strompreis politisch gestaltbar, darf eine Aktiengesellschaft also aus taktisch-politischen Gründen zu Lasten ihrer Eigentümer auf mögliche Gewinne verzichten? Vor allem aber: Sind die Strombosse überhaupt bereit, den Profit aus längeren Laufzeiten mit dem Verbraucher zu teilen?

Hier sind berechtigte Zweifel angebracht. Bislang jedenfalls drücken sich die Konzernführer um eine klare Antwort herum. Das mag neben den vielen offenen Fragen auch daran liegen, dass das Polit-Poker um die Atomkraft gerade erst begonnen hat.

Scheidet eine Preissenkung aus, wäre zumindest eine Vereinbarung denkbar, die längeren Laufzeiten für die Kernkraftwerke mit deutlich höheren Investitionen in erneuerbare Energien zu honorieren. Damit ließe sich im Wahlkampfjahr 2009 zwar keine niedrigere Stromrechnung herbeizaubern. Für das langfristige Ziel jedoch, die Abhängigkeit der Industrieländer vom Öl zu verringern, wären die richtigen Weichen gestellt - und auch für den Klimaschutz.

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