Da hilft kein Schönreden: Der Ifo-Geschäftsklimaindex befindet sich in einem Abwärtstrend, von dem man nicht weiß, wie lange er dauert und wie tief er noch gehen wird. Der noch überdurchschnittlich hohe Teilindex für die Beurteilung der aktuellen Lage bietet noch viel Raum nach unten. Zudem ist der Index für die Geschäftserwartungen in den kommenden sechs Monaten im Juli so stark zurückgegangen wie seit dem Terrormonat September 2001 nicht mehr.
Die Konjunkturabkühlung ist längst nicht mehr nur eine technische Gegenbewegung zum überaus starken ersten Quartal. Und auch die Finanzkrise und ihre Folgen für die Realwirtschaft scheinen nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Die Hauptbelastungsfaktoren für Wirtschaft und Verbraucher sind die hohen Rohstoff- und Energiekosten - auch wenn der Ölpreis dieser Tage ein klein bisschen nachgibt -, die Lebensmittelverteuerung und der starke Euro. In der Ballung schmälern diese Faktoren Kaufkraft und Erträge stärker als noch vor wenigen Monaten zu erwarten war.
Außerdem: Seit die Partnerländer mit einer noch stärkeren Konjunkturabschwächung als hier zu Lande zu kämpfen haben und wie Spanien sogar vermutlich in eine Rezession rutschen, ist auch der vom Euro-Kurs unabhängige Export in die anderen Ländern der Euro-Zone keine sichere Bank mehr. Mehr als zwei Fünftel der deutschen Warenexporte fließen in die Euro-Zone. Entsprechend abhängig ist die deutsche Wirtschaft vom Konjunkturverlauf in diesen Ländern. Und der sieht nach den jüngsten Einkaufsmanagerumfragen in Industrie und bei Dienstleistern gar nicht gut aus. Diese Wirtschaftsbereiche wachsen nicht mehr, sie schrumpfen bereits.
Diese Gefahr und damit auch die einer Rezession bestehen für Deutschland noch nicht. Aber die Ifo-Konjunkturuhr zeigt deutlich, wo wir uns befinden: mitten in der Abschwungphase. Nach den Ifo-Geschäftserwartungen ist bis um den Jahreswechsel herum nicht damit zu rechnen, dass sich die Konjunktur spürbar belebt. Das wird auch durch das Signal einer fast schon stagnierenden Industrieproduktion unterstrichen, das die Einkaufsmanagerumfrage im Juli liefert. Die Unternehmen müssen sich auf sinkende Auftragsbestände einstellen. Denn der Nachschub bleibt aus, bis Mai waren die Aufträge schon den sechsten Monat in Folge gesunken.
Die negativen Folgen des Abschwungs werden bald auch den deutschen Arbeitsmarkt erreichen. Der Beschäftigungsaufbau in Deutschland lässt bereits nach, wie die Umfragen ergaben, in der Euro-Zone kommt es sogar per saldo bereits zu einem Stellenabbau - keine guten Vorzeichen für den ohnehin schon so schwachen privaten Konsum.

