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18.05.2007 
Kommentar

Nächste Ausfahrt Yahoo

von Axel Postinett

Wenn es noch irgendwelche Zweifel gegeben hat, wo die Zukunft des Werbemarktes liegt, dann hat sie Microsoft heute ausgeräumt. Die Zukunft liegt im Internet.

Die Aktien von aQuantive legten am Freitag kräftig zu. Foto: apLupe

Die Aktien von aQuantive legten am Freitag kräftig zu. Foto: ap

HB DÜSSELDORF. Für rund sechs Milliarden Dollar und einen enormen Aufpreis von fast 85 Prozent auf den Schlusskurs vom Vortag übernimmt der Softwareriese den Online-Werbedienstleister aQuantive. Dagegen wirken die 3,1 Milliarden Dolllar, die Angstgegner Google gerade erst für den Konkurrenten Doubleclick auf den Tisch gelegt hat, auf einmal schon wie ein Schnäppchenangebot. Und geradezu geschenkt mutet der Kaufpreis von 649 Mill. Dollar an, den Werberiese WWP für den Onlinewerber 24/7 Media hinblättert, wie erst gestern bekannt wurde. Yahoo hatte sich sicherheitshalber zuvor noch schnell die verbliebenen 80 Prozent seines Hausdienstleisters Right Media einverleibt. In nur einem Monat wechselten die größten Werbenetze des Internets den Besitzer.

Das Geld für die mit Abstand größte Akquisition Microsofts ist mit Sicherheit erst einmal gut angelegt. Zumal es bei einer Liquidität von 35 Milliarden Dollar nicht die Frage ist, ob man für sechs Milliarden Dollar eine Firma kaufen sollte. Es ist nur die Frage, ob es die richtige ist.


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Und gerade da hat Microsoft-Chef Steve Ballmer bislang nicht viel Geschick gezeigt. Auch wenn Microsoft heute sagt, man habe halt lange überlegen und suchen müssen, um die richtige Firma zu finden. Ob Doubleclick, AOL, MySpace oder Youtube – stets hat Redmond vor den großen Zahlen zurückgeschreckt. Selbst nachdem längst klar war, dass man das Internet Jahre lang unterschätzt hatte.

Der Endeffekt: Microsoft hatte zwar bis April laut Comscore die am besten besuchtesten Webseiten der Welt. Aber schon fast traditionell erzielt die höchsten Werbeeinnahmen im Web Google, der Mega-Konkurrent aus dem Silicon Valley. Im ersten Quartal 2007 waren es beeindruckende 1 Mrd. Dollar aus 2,5 Mrd. Dollar Nettoumsatz. Suche und Werbung sind also zwei wunderbare Generatoren für Cash Flow im Internet und zumindest die Suche ist bereits fest in der Hand von Google. Das darf im Online-Webemarkt nicht noch mal passieren, hat Ballmer offenbar richtig erkannt, koste es, was es wolle.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gute Voraussetzungen

Gute Voraussetzungen

Der aktuelle Deal scheint in der Tat alle Voraussetzungen für eine gute Wahl zu erfüllen. Beide Unternehmen arbeiten seit Jahren eng zusammen, man kennt sich gut. Keiner der Bereiche der beiden Partner überschneidet sich ernsthaft, das sorgt für ruhiges Blut bei den Mitarbeitern. Und auch aQuantive muss mit Besorgnis gesehen haben, dass alle Konkurrenten mächtige Partner gefunden hatten. Da droht der Abstieg in die zweite Liga.

Außerdem wird nun die Reichweite der Werbung über die der Microsoft-Webseiten hinaus erweitert. Dabei geht es nicht nur um das zusätzliche Potenzial aus Werbeeinnahmen, das auf lange Sicht alleine ein Vielfaches des Kaufpreises ausmacht. Es geht schlicht darum, dass Microsoft auch droht, sein Stammgeschäft zu verlieren.


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Immer größere Teile des Softwaremarktes werden ins Netz abwandern und werbefinanziert sein. In Zukunft muss ein Anbieter wie Microsoft also nicht nur die interessantesten Softwareprodukte haben, sondern auch die Fähigkeit, sie mit attraktiver Werbung zu füllen. Das gilt für Internet per PC oder Mobiltelefon genauso wie für Internet-TV oder sogar Spielekonsole. Jede Schwäche im Werbemarkt, schlägt dann direkt auf den Software- und Servicemarkt durch. Software, Webservices und Werbung werden eins, ohne Werbung keine Umsatzdiversifizierung.

Jetzt, wo der Knoten geplatzt ist, stellt sich die Frage, was Microsoft mit den verbleibenden 29 Milliarden Dollar und denen, die aus dem boomenden Vista- und Office-Verkauf noch dazu kommen werden, anfangen wird.

Es würde reichen, um doch noch einmal die Hände nach Yahoo auszustrecken. Der Internetpionier aus dem Valley ist jetzt das letzte verbliebene Sahnestückchen, um das sich jeder reißen wird, der am Ball bleiben oder im Internetgeschäft neu einsteigen will. Da gibt es viele potenzielle Interessenten, vor allem aus dem Telekombereich, wie etwa AT&T oder den Kabelkonzern Comcast. Aber auch große Medienkonzerne von Time Warner bis News Corp. werden Interesse haben. Und für Microsoft wäre es der endgültige Anschluss an Google.

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