Gute Voraussetzungen
Der aktuelle Deal scheint in der Tat alle Voraussetzungen für eine gute Wahl zu erfüllen. Beide Unternehmen arbeiten seit Jahren eng zusammen, man kennt sich gut. Keiner der Bereiche der beiden Partner überschneidet sich ernsthaft, das sorgt für ruhiges Blut bei den Mitarbeitern. Und auch aQuantive muss mit Besorgnis gesehen haben, dass alle Konkurrenten mächtige Partner gefunden hatten. Da droht der Abstieg in die zweite Liga.
Außerdem wird nun die Reichweite der Werbung über die der Microsoft-Webseiten hinaus erweitert. Dabei geht es nicht nur um das zusätzliche Potenzial aus Werbeeinnahmen, das auf lange Sicht alleine ein Vielfaches des Kaufpreises ausmacht. Es geht schlicht darum, dass Microsoft auch droht, sein Stammgeschäft zu verlieren.
Bildergalerie: Was Windows Vista einem bietet
Immer größere Teile des Softwaremarktes werden ins Netz abwandern und werbefinanziert sein. In Zukunft muss ein Anbieter wie Microsoft also nicht nur die interessantesten Softwareprodukte haben, sondern auch die Fähigkeit, sie mit attraktiver Werbung zu füllen. Das gilt für Internet per PC oder Mobiltelefon genauso wie für Internet-TV oder sogar Spielekonsole. Jede Schwäche im Werbemarkt, schlägt dann direkt auf den Software- und Servicemarkt durch. Software, Webservices und Werbung werden eins, ohne Werbung keine Umsatzdiversifizierung.
Jetzt, wo der Knoten geplatzt ist, stellt sich die Frage, was Microsoft mit den verbleibenden 29 Milliarden Dollar und denen, die aus dem boomenden Vista- und Office-Verkauf noch dazu kommen werden, anfangen wird.
Es würde reichen, um doch noch einmal die Hände nach Yahoo auszustrecken. Der Internetpionier aus dem Valley ist jetzt das letzte verbliebene Sahnestückchen, um das sich jeder reißen wird, der am Ball bleiben oder im Internetgeschäft neu einsteigen will. Da gibt es viele potenzielle Interessenten, vor allem aus dem Telekombereich, wie etwa AT&T oder den Kabelkonzern Comcast. Aber auch große Medienkonzerne von Time Warner bis News Corp. werden Interesse haben. Und für Microsoft wäre es der endgültige Anschluss an Google.


