Ein beinharter Kampf tobt in der Koalition. Die Partner schenken sich nichts, beharken sich sogar öffentlich. Verständlich, denn es geht schließlich um alles, was einen Deutschen bewegt: Steuernsparen, Autofahren und Benzinpreis. Sex kommt nicht vor, ist aber auch nicht so elektrisierend wie Steuersparen.
Die CSU stellt sich gegen die eigene Kanzlerin. Die SPD, der Merkel doch die letzte Butter vom Brot gekratzt hat, stützt treu die CDU-Chefin. Doch es gärt in der sozialdemokratischen Partei, Widerstand wird laut gegen den orthodoxen Konsolidierungskurs. In der Union beginnt der Bundeswirtschaftsminister, der CSU angehörig, zu wackeln - droht Verrat? Wird er sich auf die Seite der Bayern schlagen?
Ein packendes Ringen, das unser ganzes Volk so fasziniert, dass CSU/CDU/SPD selbstlos die Medien täglich, manchmal stündlich mit neuen Meldungen von der Pendlerfront versorgen. Regierungssprecher sind bereit, unentgeltlich Interpretationshilfe zu leisten: Wer steht wo? Wie stark ist der Druck von der Basis? Was macht Beck (er ist nahe bei den Menschen und SPD-Parteichef)?
Der Schicksalskampf um die Pendlerpauschale ist das neue deutsche Sommermärchen, und die Parteien haben es so perfekt inszeniert, dass die Schmierenkomödie als Schulbeispiel dafür dienen kann, wie Regierungs-PR mittlerweile die Öffentlichkeit nasführt. Am Anfang stand ein Problem, der Dissens zwischen CSU und Kanzlerin, doch daraus haben die Spindoktoren der Koalition ein nützliches Instrument der Triebabfuhr gemacht: Die Wut über hohe Energiepreise kann so kanalisiert werden, und man füllt kontrolliert das Sommerloch. Und wenn es langweilig wird? Dann kommt der Joker: Deutschland braucht billige Atomkraft!

