Die noch zu starke Fokussierung auf das Inlandsgeschäft rächt sich jetzt bitter für Firmen wie AOL oder eben Yahoo. Yahoo war weltweit zu lange dem klassischen US-Ansatz verhaftet: was bei uns funktioniert, funktioniert überall. Doch was bei Coca Cola, McDonald’s und Starbucks noch gestimmt hat, hat im Cyberspace seine Berechtigung verloren. Google hat es vorgemacht, zuletzt mit seinem neuen Forschungszentrum in Zürich und Ingenieursbüros von St. Peterburg bis Haifa. Das zahlt sich jetzt aus. Yahoo hat die Problematik erkannt und holt auf. Aber es wird dauern.
Bis dahin wird Yahoo-Chef Jerry Yang einen anderen Ausgleich für das kriselnde US-Geschäft finden müssen, um seine Aktionäre davon abzuhalten, mit fliegenden Fahnen zum Aufkäufer Microsoft zu wechseln, der sich wie ein Bullterrier in Yahoo verbissen hat. In Sicht ist dabei allerdings derzeit wenig, was auf ein starkes Wachstum á la Google hindeuteten würde. Die geplante (oder doch eher angedrohte?) Auslagerung der Suchmaschinen-Werbung an Google kann es jedenfalls wohl nicht sein. AOL hat seine Suchwerbung an Google ausgelagert - und wo ist die AOL-Suche heute? Abgeschlagen auf Platz vier mit 4,8 Prozent und weiter sinkend. Ask.com lässt sich auch längst die Werbung vom Keyword-Boten Google ins Haus bringen - und wo ist Ask.com jetzt? Platz fünf mit 4,7 Prozent. Warum sollte es Yahoo anders gehen?
Google-CEO Eric Schmidt sagte im Coference-Call am Donnerstag, dass die probeweise Zusammenarbeit mit Yahoo bei der Werbung angenehm verlaufen sei und man die Yahoos aus dem Nachbarort Sunnyvale gut leiden könne. Das ist nett. Aber hilft wenig. Er hätte besser bei den Ergebnissen etwas schwächeln sollen. Dann hätten die Yahoo-Zahlen kommende Woche schon alleine optisch besser ausgesehen. Aber so weit geht die Liebe dann doch nicht.

