Und jetzt soll eben dieser Werner Müller einen Börsen-notierten Konzern führen, mit Sitz im Herzen Nordrhein-Westfalens und beaufsichtigt von einer quasi-staatlichen Stiftung ? Noch vor wenigen Tagen wäre dem 61-jährigen nicht einmal ein Pförtnerjob von der Landesregierung angeboten worden.
Das Spiel um die Steinkohle ist noch nicht aus, denn das Drehbuch zu schreiben reicht nicht. Jetzt fehlen die Schauspieler. Warum haben Müllers Kritiker bis heute keinen Gegenkandidaten für die Stiftung präsentiert? Wer sagt, dass Müller der richtige Mann in der Rolle des Vorstandschefs der neuen RAG ohne Kohle ist?
Bislang gibt es an seinem Erfolg keine Zweifel. Müller ist überzeugend, manchmal sogar ein wenig zu sehr. Doch kaum ein anderer ihm hätte es geschafft, den Mischkonzern so geschickt durch die politische und gewerkschaftliche Untiefen auf Börsengang zu trimmen und obendrein das Milliarden schwere Subventionsfass Steinkohle zu stopfen. Aber Müller als Chef eines kapitalmarktgetriebenen Dax-Konzerns, als Verkünder aktienkurstreibender Equity-Stories vor jungen Analysten auf glattem Börsenparkett?
So hat sich der Liebhaber klassischer Musik und edler Zigarren seine letzten Berufsjahre sicher nicht vorgestellt. Aber Müller wäre nicht Müller, würde er sich selbst nicht auch diesen Job zutrauen.


