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22.08.2008 
Steuerfahnder

Überschätzte Helden

von Donata Riedel

Seit in Liechtenstein reihenweise deutsche Anleger als Steuerbetrüger auffliegen, gelten Steuerfahnder als die neuen Helden, die nun endlich auch einmal "die Großen" vom Kaliber eines Klaus Zumwinkel drankriegen. Das glanzvolle Bild verblasst allerdings bei einem Blick auf die Statistik ziemlich schnell. Trotz höheren Aufwandes und mehr Stellen entdecken die Fahnder nicht mehr hinterzogenes Geld als früher, und ob jene 1,6 Milliarden Euro, über die jährlich nachträgliche Steuerbescheide ergehen, je hereinkommen, ist fraglich.

Es entsteht so der Eindruck, dass es den Finanzministern von Bund und Ländern ganz gut gefällt, ihre Steuerfahnder öffentlich als schicke Sheriffs herauszuputzen. Dahinter lassen sich politische Versäumnisse nämlich recht gut verstecken. Denn wieso gelingt es den USA, die Liechtensteiner zu Amtshilfe gegen Steuerhinterzieher aus den USA zu zwingen, und den Behörden der benachbarten EU-Staaten nicht? Wenn es Steinbrück und seinen EU-Amtskollegen gelänge, in Liechtenstein und in anderen Steuerfluchtburgen gleiches Recht wie die USA durchzusetzen, müssten auch hierzulande die Steuerfahnder nicht länger auf frustrierte Bankmitarbeiter und betrogene Ehefrauen warten.

Und vermutlich würde dann der Volkssport Steuerhinterziehung ziemlich unattraktiv, weil das Risiko aufzufliegen, erheblich ansteigen würde. Wenn sich die Finanzämter gezielter die Hotspots der Steuerkriminalität vornehmen würden, könnten sie wahrscheinlich an vielen Stellen Kontrollmechanismen wieder abbauen und so das Verhältnis zum Steuerzahler entkrampfen. Denn vielfach, das werden die Liechtensteiner Fälle noch zeigen, dürfte sich der Aufwand des Geldversteckens gar nicht gelohnt haben.

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