Njet zur Gewalt in Georgien, Nein zur Verletzung der territorialen Integrität des Kaukasusstaates: Die Präsidenten aus China und vier zentralasiatischen Ländern hätten das russische Vorgehen im georgischen Kernland kaum deutlicher zurückweisen können. Für Russlands Präsident Medwedjew und für Ministerpräsident Putin eine empfindliche politische Schlappe. Moskau hatte von den Mitgliedern der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) Solidarität erhofft. Stattdessen setzte es eine Ohrfeige.
Und die dürfte Medwedjew und Putin noch Kopfschmerzen bereiten. Denn Russland versucht seit mehreren Jahren, die SCO als eine Art Anti-Nato aufzubauen, um mit ihr den Einfluss der USA in Zentralasien zurückzudrängen. Die Führungsrolle dabei hatten die Russen sich selbst zugedacht. Die SCO sollte als Basis für den erweiterten geopolitischen Machtanspruch Moskaus dienen. Nach der frostigen Abfuhr für Russland können sich beide dieses Ziel wohl aus dem Kopf schlagen.
Moskau muss allmählich realisieren, dass die Brachialgewalt, mit der man eine Weltordnung nach eigenem Geschmack schaffen und den zerfallenen Warschauer Pakt durch einen neuen Block ersetzen will, auf wenig Zuneigung stößt. Schon gar nicht in China, das sich gerne als Fürsprecher aller multilateralen Strömungen sieht. Die Angst vor Russlands neuem Expansionismus treibt nicht nur Europa zu neuer Einigkeit, sondern schweißt auch lose Verbündete Moskaus gegen den Kreml zusammen. Vor allem China strebt in der SCO ganz andere Ziele als Russland an: Peking geht es mehr um die Sicherung von Rohstoffquellen als um ein Bollwerk gegen den Westen. Ein neues Militärbündnis in Asien wird daher ein russischer Traum bleiben - jetzt erst recht.


