Solche Karrieren sind wohl nur in Pakistan möglich. Mehr als zehn Jahre saß Asif Ali Zadari hinter Gittern, jetzt ist er Pakistans Präsident. Die Korruptionsvorwürfe der Vergangenheit, die Zadari den Spitznamen "Mr. zehn Prozent" einbrachten, wird Zadari auch im Präsidentensessel nicht los. Insofern dürfte seine Wahl nicht nur in Pakistan auch Unbehagen auslösen. Dass er, als Mitglied im Klub der Atommächte nun einer der mächtigsten Männer, nicht nur an die eigenen Pfründe denkt, sondern auch ans Wohl seines Landes, muss er noch beweisen.
Der Witwer der ermordeten früheren Ministerpräsidentin Benazir Bhutto, der wegen der gegen ihn gerichteten Vorwürfe an der Parlamentswahl vom Februar noch nicht hatte teilnehmen dürfen, hat einen Berg schwieriger Aufgaben vor sich. Dass er sich als getreuer Verbündeter der USA im Kampf gegen den internationalen Terror positioniert hat, bringt ihm zwar den Beifall Washingtons und Brüssels ein. Denn USA und EU brauchen einen starken Mann in Islamabad. Doch kann Zadari im Antiterrorkampf mehr bewegen als sein Vorgänger Musharraf? In Pakistan ist die Allianz mit den USA alles andere als populär.
Zadari wird in den ersten Wochen eine Gratwanderung zwischen Bündnistreue und innenpolitischer Stabilität meistern müssen. Nur wenn er die Taliban und andere Extremisten in den Griff bekommt, kann er sich behaupten. Die Sicherheitslage ist ebenso prekär wie die wirtschaftliche Entwicklung. Er muss auch ein Konzept entwickeln, um den wirtschaftlichen Niedergang zu bremsen. Setzt sich Zadari nicht von seiner Vergangenheit ab, droht Pakistan eine Epoche gefährlicher Misswirtschaft. Für einen Staat, der von innen und außen gleichermaßen bedroht wird, ist Zadari nur die zweite Wahl.


