Politik
Hoffen, beten und drei Kandidaten

In Iran darbt die Wirtschaft, der Staat hat kein Geld mehr, im Volk regt sich offener Widerstand gegen den Präsidenten. Was vor Monaten noch undenkbar war, scheint nun möglich: Die Abwahl von Präsident Ahmadinedschad – wenn seine beiden liberalen Herausforderer sich nicht gegenseitig die nötigen Stimmen klauen.

TEHERAN

Frischer Kardamon mischt sich mit den Gerüchen von getrockneter Minze. Hunderte Gewürze, säckeweise, daneben Türme rot leuchtender, blank polierter Granatäpfel, Zweige mit Berberitzen-Beeren. Die vielen Goldketten, Ringe und Broschen in den Schaufenstern erhellen das Dunkel im Eingangstor des Marktes. Die Händler auf dem Zentralbasar von Teheran sind bereit, noch ein paar Tage bis zum Neujahrsfest, ein Schlaraffenland für den Festtag, den höchsten des Landes am 21. März. Nur ihr Land, Iran, ist nicht in Stimmung.

„Kaum jemand kauft noch etwas“, knurrt Goldschmied Hussein B., ein Mittfünfziger mit mächtigem Vollbart. Vor den Schaufenstern seines kleinen, vollgestopften Ladens drängen sich Frauen, die Gesichter verhüllt von schwarzen Schleiern. Drinnen hält sich eine junge Frau eine wunderschöne Kette an den Hals, dankt – und geht, ohne zu kaufen.

„Die Menschen sind pleite. Die Inflation tötet sie und uns“, sagt Hussein und kramt unter der Theke ein in braunes Leder gebundenes Auftragsbuch heraus. Seit 28 Jahren trägt er dort seine Bestellungen ein, bevor er anfängt zu ziselieren und zu flechten, ehe er seine Schmuckstücke mit Saphiren, Amethysten oder Jadesteinen verziert.

„40 Prozent weniger“ verkaufe er, sagt der Goldschmied. Bevor er weiterspricht, guckt er vorsichtshalber auf einen Bildschirm, auf dem die Bilder der vier Überwachungskameras zu sehen sind. Wer etwas zu kritisieren hat, muss vorsichtig sein. „Das ist die falsche Politik von Präsident Ahmadinedschad. In Wirtschaftsfragen ist er vollkommen inkompetent, er hat noch nicht einmal vernünftige Berater. Denn wie kann ein Land, das so mit der Weltwirtschaft verwoben ist, eine solch aggressive Außenpolitik machen?“

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