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11.04.2008 

Niemand kann bestreiten, dass die Muster der Beschäftigung einem gewaltigen Wandel unterworfen sind. Die Globalisierung der Wirtschaft, der steigende Anteil der Dienstleistungen in der Wertschöpfung, die zunehmende Bedeutung der Informationstechnologie bei den Unternehmen, die Individualisierung von Arbeit und Gesellschaft sowie die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung definieren die Megatrends der Arbeitswelt.

Bei allen Eigenarten dieser Trends ergeben sich doch gleichgerichtete Konsequenzen, die dadurch die Anforderungen an den Arbeitsmarkt entsprechend bedeutsam werden lassen. Die Position der Geringqualifizierten kommt aus mehreren Gründen unter Druck: In der Globalisierung hat sich seit 1980 das weltweite Angebot an einfach qualifizierten Arbeitskräften vervierfacht.

Strukturwandel und die weiter expandierende Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien erfordern höhere Qualifikationen und mehr Flexibilität. Die demografische Entwicklung erhöht ebenfalls die Qualifikationsanforderungen. Von 1991 bis 2004 ist die Anzahl der Erwerbstätigen mit einem Hochschulabschluss um 40 Prozent gestiegen, jene ohne beruflichen Abschluss dagegen um 20 Prozent gesunken.

Diese Trends sind globaler Natur. Dennoch weist Deutschland mit 20 Prozent die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote und mit 52 Prozent eine der geringsten Erwerbstätigenquoten von Geringqualifizierten im Vergleich der OECD auf. Die Ant-wort auf diesen Befund liegt in einem arbeitsmarktpolitischen Leitbild, das einerseits Ernst macht mit dem Fordern und Fördern, also die Erwerbsintegration in den Mittelpunkt stellt, und andererseits die Anhebung des Bildungsniveaus systematisch betreibt, um der Wissensintensivierung Rechnung zu tragen.

Damit werden zwei Gerechtigkeitsziele angestrebt: die faire Chance des Einstiegs in den Arbeitsmarkt und die glaubwürdige Perspektive des Aufstiegs durch Qualifizierung. Das ist freilich leichter gesagt als in der Politik umgesetzt. Die mit der Agenda 2010 verbundene Arbeitsmarktreform hat versucht, die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern. Doch die nun bei den Problemgruppen erkennbaren Erfolge lösen bei der Politik den Rückzug aus. Der Blick in die Realität scheint zu schockieren. Natürlich lösen die Qualifikationsmängel auch beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zunächst noch Transferbedarf aus.

Die Botschaft dieser Erfahrung lautet allerdings nicht, das Kombi-Einkommenssystem durch den Mindestlohn funktionsuntüchtig zu schießen, sondern die Fehlanreize - zu hohe Transferentzugsraten bei eigenem Erwerbseinkommen, politikinduzierte Attraktivität der Teilzeitbeschäftigung - zu korrigieren. Und die zweite Botschaft lautet: die berufliche Qualifikation durch ein besseres Bildungsangebot zu fördern. Angesichts der föderalen Zersplitterung unserer Bildungspolitik erscheint dies fast noch komplizierter zu sein. Doch hier beginnt der Kampf gegen die Abstiegsangst.

Der Autor: Prof. Dr. Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

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