+++ Liveblog +++
EU offenbar uneins über Sanktionen

Die EU kann sich noch nicht auf neue Sanktionen einigen. Es gibt unerwartete Probleme. Russland droht im Gegenzug mit Überflugverboten. Unterdessen verstärkt die ukrainische Führung die Truppen in Mariupol.
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Im Schwarzen Meer beginnt an diesem Montag ein Manöver von US-Marine und ukrainischem Militär. Drei Tage soll die Übung dauern. Am Abend berät die EU über weitere Strafmaßnahmen gegen Russland. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Merkel betont Notwendigkeit von Sanktionen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Notwendigkeit neuer Russland-Sanktionen bekräftigt. Mit Blick auf die von der EU vorgesehene Ausweitung der Wirtschaftssanktionen sagte Merkel am Montagabend in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach Angaben mehrerer Teilnehmer, dieser Schritt sei trotz des vereinbarten Waffenstillstands nötig. Russland, dem vorgeworfen wird, die prorussischen Separatisten mit Personal und Material zu unterstützen, habe den Westen schon mehrfach getäuscht, sagte sie zur Begründung. Noch immer befänden sich russische Kämpfer und russisches Militärgerät in der Ostukraine.

+++ Automarkt bricht ein +++

Der seit Monaten in der Krise steckende russische Automarkt ist weiter eingebrochen. Der russische Marktführer Awtowas verkaufte im August 32 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat, wie die Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) am Montag in Moskau mitteilte. In den Monaten Januar bis August sank der Absatz des für seine Traditionsmarke Lada bekannten Konzerns demnach um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 247 000 Autos. Der französisch-japanische Konzern Renault-Nissan hält die Mehrheit an dem Unternehmen.

+++ EU uneins über Sanktionen +++

Der Beschluss neuer EU-Sanktionen verzögert sich weiter. Es gibt offenbar Probleme. Unerwartet wurde ein erneutes Treffen der EU-Botschafter einberufen, um noch einmal über die geplanten Sanktionen zu beraten. „Wir haben zugestimmt, das haben aber nicht alle Mitgliedstaaten getan“, sagte ein Vertreter eines EU-Landes

+++Merkel glaubt weiter an Partnerschaft mit Russland+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält trotz des Ukrainekonflikts eine dauerhafte Entfremdung Russlands und des restlichen Europas für vermeidbar. „Russland kann jederzeit wieder ein guter Partner sein“, sagte Merkel am Montag dem Sender Sat1. „Die Tür für Gespräche bleibt offen.“ Sie selber werde weiter mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Kontakt bleiben: Diese Gesprächsfähigkeit „sollten wir uns unbedingt erhalten“. Merkel räumte ein, dass es „deutliche Meinungsunterschiede“ mit Putin gebe. Merkel verteidigte in dem Interview die Politik der Sanktionen: Solche Strafmaßnahmen könnten „manchmal mit ihrer Wirkung eine gewisse Zeit brauchen - das ist gar keine Frage“, räumte die Kanzlerin ein. „Aber sie sind das Mittel, wenn man sagt, militärische Mittel kommen nicht in Frage. Und davon bin ich zutiefst überzeugt.“

+++Separatisten lassen 1200 ukrainische Soldaten frei+++

Die pro-russischen Separatisten in der Ukraine haben Präsident Petro Poroschenko zufolge 1200 gefangene Soldaten freigelassen. Auch das gab Poroschenko bei seinem überraschenden Besuch in Mariupol bekannt. Ein Austausch von Gefangenen gehört zu den Vereinbarungen der am Freitag ausgerufenen Feuerpause. Mit der Waffenruhe ist die Hoffnung auf ein Ende des seit Monaten anhaltenden Konflikts in der Ostukraine verbunden.

+++ Poroschenko schickt Panzer in ukrainische Front-Stadt +++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat den Bewohnern Mariupols bei einem Besuch der Front-Stadt seine Unterstützung im Kampf gegen prorussische Separatisten zugesichert. „Mariupol ist Teil der Ukraine. Wir werden dieses Land niemanden überlassen“, erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter nach seinem Eintreffen in der strategisch wichtigen Hafenstadt im Südosten der Ukraine. Er beklagte auch, pünktlich zu der Zeit,für die seine Ankunft in Mariupol angekündigt war, habe es wieder Beschuss gegeben. Er habe militärische Verstärkung zur Verteidigung der 500.000-Einwohner-Metropole angeordnet in Form von Panzern und Raketenwerfern. Außerdem werde der Luftraum überwacht. „Der Feind wird eine vernichtende Niederlage erleiden.“

+++ Sanktionen zielen auf Energiekonzerne +++
Die neuen Sanktionen gegen Russland sollen einem EU-Diplomaten zufolge auch den Ölriesen Rosneft treffen. EU-Firmen dürften demnach keine Kredite mehr an den Konzern vergeben, verlautete am Montag in Brüssel. Auch das für die Öl-Pipelines zuständige Unternehmen Transneft sowie die Gazprom-Tochter Gazprom Neft würden mit den Strafmaßnahmen belegt. Maßgabe ist, dass die Firmen Vermögen von mehr als 20,81 Milliarden Euro aufweisen und mindestens 50 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf oder Transport von Rohölprodukten oder Petroleum-Produkten stammt. Kontensperrungen und Einreiseverbote sollen mehreren EU-Diplomaten für weitere 24 Personen gelten, wenn die EU-Mitgliedsstaaten dem Paket zustimmen.

+++Entscheidung über Sanktionen verzögert sich+++

Die Europäische Union hat die Frist für ihren offiziellen Beschluss neuer Sanktionen gegen Russland verlängert. Die Deadline wurde auf 18.00 Uhr verschoben“, sagte ein EU-Diplomat am Montag in Brüssel. Eigentlich sollten im Zuge des schriftlichen Verfahrens alle 28 Mitgliedstaaten bis 15.00 Uhr dem Sanktionspaket zustimmen. „Es sind noch nicht alle 28 Faxe eingetroffen“, sagte der Diplomat kurz nach dem Verstreichen der Frist. Dies sei aber nicht ungewöhnlich.

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  • Ich hoffe doch, dass JEDER Journalist für seine Arbeit bezahlt wird. Umsonst wird niemand Tag für Tag zur Arbeit gehen, Sie sicher auch nicht.

  • @ Herrn Daniel Mayr,

    Sie haben ganz einfach ein Gefühl für die Realität verloren, für jene, die keinen Krieg haben wollen, sondern sich dem FRIEDEN verpflichtet fühlen.
    Übrigens: Wie soll denn Ihre angedeutete Bezahlung ablaufen - vielleicht durch Anfrage bei der so "seriösen" Süddeutschen Zeitung..? Meine Meinung: Bezahlt werden Journalisten dieser Zeitung, die haben wohl ihre gesicherten Quellen..!

  • Möglicherweise gibt es doch noch ein paar (wenige) Politiker, die die Wahnsinns-Kriegs-Vorbereitungen nicht bereit sind mitzumachen - das ist meine Hoffnung..!
    Aber: Seht mal unter “ATLANTIK-BRÜCKE” oder auch “U.S. European Command” bzw. “USEUCOM”, da könnt Ihr euch vergewissern über die “Propaganda-Journalisten”, die für die Friedens-Störer, Unruhe-Stifter und Kriegs-Treiber ihr übles Handwerk betreiben und es denen gleichtun.

    Auch liest und hört man bei uns in den Medien keine der vielfältigen kritischen Stimmen in den USA gegen diese idiotischen Kriegs-Vorbereitungen, weil z.B. die vielen USA-Korrespondenten und deutschen Journalisten unserer Mediem, wie mir scheint, ein Maulkorb verpasst wurde – wir sollen alle für diesen Kriegs-Wahnsinn über etliche unserer Scharfmacher-Medien eingestimmt werden..!

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