+++ Liveblog +++
Tote und Verletzte bei Kämpfen in der Ostukraine

Scharfe Kritik an der Politik des Westens äußert der russische Politiker und frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow. In St. Petersburg startet unterdessen das Wirtschaftsforum, in der Ostukraine gibt es neue Gefechte.
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In St. Petersburg lädt Kremlchef Putin zum Wirtschaftsforum. Zahlreiche deutsche Konzerne sind vertreten – jedoch verzichteten viele Chefs auf die Reise nach Russland. Unterdessen soll der russische Truppenabzug weitergehen. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Nato sieht Anzeichen für Truppenabzug +++
Ein Teil der russischen Truppen in der Nähe der ukrainischen Grenze könnte mit dem Abzug begonnen haben. Dies sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach Angaben eines Bündnissprechers. „Wir haben gestern Abend eine begrenzte russische Truppenbewegung in der Nähe der ukrainischen Grenze gesehen“, sagte Rasmussen am Donnerstag. Dies könne darauf hindeuten, „dass einige dieser Truppen den Rückzug vorbereiten“. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, was das bedeutet, aber ich hoffe, dass es der Beginn eines umfassenden und ehrlichen Rückzugs ist.“

+++ Tote und Verletzte bei Gefechten +++
In der Ostukraine sind bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und prorussischen Kräften nach inoffiziellen Angaben mindestens acht Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden. 18 weitere seien nahe Wolnowacha im Gebiet Donezk verletzt worden, berichtete der gewöhnlich gut informierte Militärexperte Dmitri Tymtschuk bei Facebook. Die Regierung geht in der Region mit einem „Anti-Terror-Einsatz“ gegen Separatisten vor. In der selbst ernannten „Volksrepublik Lugansk“ riefen die moskautreuen Machthaber das Kriegsrecht aus. Dies gelte, bis die prowestliche Führung ihre Truppen abziehe, kündigte ein Sprecher an.

+++ Kasparow setzt sich für Ukraine ein +++
Der russische Oppositionspolitiker und frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow hat den Westen zu einer stärkeren Unterstützung der Ukraine aufgefordert. „Was fehlt ist Führungsstärke“, sagte Kasparow bei einer Preisverleihung in New York. „Wenn die westlichen Staatschefs die Ukraine doch nur so leidenschaftlich unterstützen würden, wie Reagan und Thatcher Polen in den 80er Jahren unterstützt haben“, sagte der 51-Jährige in Anspielung auf den Fall des Eisernen Vorhangs. „Wenn Männer wie Obama und Cameron in den 80er Jahren an der Macht gewesen wären, würde ich jetzt immer noch für die Sowjetunion Schach spielen.“

+++ Kaum Absagen beim Wirtschaftsforum +++
Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, hat Berichte zurückgewiesen, deutsche Konzern-Chefs boykottierten das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg wegen der russischen Ukraine-Politik. Cordes sagte im rbb-Inforadio es habe lediglich eine Absage gegeben – und zwar von Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen. Andere deutsche Konzern-Chefs hätten sich zu dem Treffen gar nicht angemeldet. Auch in der Vergangenheit hätten an dem Forum nie viele deutsche Spitzen-Manager teilgenommen.

+++ Kein politischer Druck auf Firmenchefs +++
Cordes betonte, es habe auch keinerlei politischen Druck gegeben, dem Treffen fernzubleiben, weder aus Washington noch aus dem Bundeskanzleramt. Man sei sich mit der Bundesregierung einig: Man hoffe auf eine diplomatische Lösung des Konfliktes; sollte es diese aber doch nicht geben, werde die Wirtschaft auch Sanktionen der Bundesregierung unterstützen.

+++ Truppenabzug wird offenbar fortgesetzt +++
Russland setzt den Abzug seiner Truppen aus der Grenzregion zur Ukraine eigenen Angaben zufolge fort. Vier Züge würden Waffen abtransportieren, 15 Flugzeuge Soldaten, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Die Nato vermutet in der Grenzregion zur Ukraine 40.000 Soldaten. Das Bündnis hatte in den letzten Tagen erklärt, es gebe keine Anzeichen für einen Rückzug der Russen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte dagegen erklärt, der Abzug mit der großen Anzahl an Soldaten benötige Zeit. Er habe den Abzug angeordnet, um für die Wahl am Sonntag „günstige Bedingungen“ zu schaffen.

+++ Anti-Terror-Einsatz vor dem Abschluss? +++
Der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow hat kurz vor den Präsidentwahlen am Sonntag die „finale Phase“ des Militäreinsatzes gegen die Aufständischen angekündigt. „Wir sind bereit, die Gebiete Donezk und Lugansk von den Terroristen zu säubern“, sagte Turtschinow bei einem Besuch in einem Militärlager nahe der Separatisten-Hochburg Slawjansk. Ziel sei, die Präsidentenwahl am 25. Mai zu sichern. Die ukrainischen Truppen machen im „Anti-Terror-Einsatz“ gegen prorussische Separatisten nach Regierungsangaben starke Fortschritte. In den russisch geprägten Regionen Donezk und Lugansk wende sich das Blatt, sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk bei einem Runden Tisch in der südostukrainischen Stadt Nikolajew. „Kurzfristig wird es viele Probleme geben, aber wir werden Antworten finden“, verkündete Jazenjuk. Die Nation sei in der Krise zusammengerückt. Die Zentralregierung in Kiew räumt ein, dass in weiten Teilen der Regionen Donezk und Lugansk keine Wahl abgehalten werden kann.

+++ Russland will Wahl nicht behindern +++
Russland schlägt kurz vor der Wahl versöhnliche Töne an. Präsident Wladimir Putin versicherte, die Armee ziehe wie angekündigt von der Grenze ab, „damit nicht Spekulationen entstehen, wir würden die Präsidentenwahl behindern“.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Associated Press / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @deadterrorist,
    ich denke, das die meisten Leser stark frustriert sind von einer äußerst einseitigen Berichterstattung, die seit Monaten uns dauerhaft für blöd hält und Nachrichten so verpacken, das sie uns weiß machen wollen, es gibt nur Feind Putin und Freund Obama. Das du das Aufbegehren dazu als USA-Hetze empfindest, man könnte dann argumentieren, das die Propagandamaschine gegen Rußland dann auch Hetze wäre?
    Schließe mich den anderen Lesern an, wo bleiben die Veröffentlichungen der 100 OSZE- Beobachter???
    Das die Amerikaner und die Nato keinen Truppenabzug erkennen können, "Lacher", die ukrainischen Grenztruppen bestätigten es schon vor 2 Tagen und die Satelliten und CIA/FBI Beamten können nichts erkennen?
    Respekt.
    Hier zeigt sich die Richtung der Berichterstattung...
    Zu den Wahlen am 25.05.die ja nun definitiv nicht im kompletten Land stattfinden, kann sich jeder seine Meinung bilden. Es fragt sich, wenn ein Teil der Bevölkerung(Ostukraine)davon ausgenommen wird, ob dann die Ergebnisse der Wahl dann für diese auch gilt? Ob diese Wahl als rechtsverbindlich und rechtsmäßig im Sinne des Verständnisses der westlichen Demokratie angesehen werden kann, bleibt so zweifelhaft wie die Ergebnisse vom Maidan.

  • @Deadterrorist

    Kurios, was heutzutage alles so als "rassistisch" gilt. Ich jedenfalls habe noch nie von einer USA-Rasse gehört und außerdem hetze ich nicht sondern argumentiere. Daher würde ich Ihnen eher empfehlen, es stattdessen mal mit dem bekannten "Verschwörungstheorie"-Kniesehnen-Reflex zu versuchen.

    Schön jedenfalls, daß Sie genervt sind. Das regt vielleicht zum Nachdenken an.

  • Müdes ächzen. Ich muss sagen, dass mir Ihre äusserst rassistische USA-Hetze gewaltig auf den Sack geht.

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