++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++
Deutschland steht mit „80 Milliarden Euro im Feuer“

Die Eurozone steht vor einer gewaltigen Erschütterung: Das am Dienstag auslaufende Hilfspaket wird nicht verlängert. Athen steuert weiter auf die Pleite zu. Milliardenausfälle drohen. Die EZB setzt eine Krisensitzung an.
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+++ Krisensitzung der EZB am Sonntag +++

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt am Sonntag zu einer Krisensitzung zu Griechenland zusammen. Ohne weitere Finanzhilfen droht dem griechischen Bankensystem der Kollaps, da die Bankkunden aus Sorge vor dem Bankrott des Landes seit Tagen massiv Geld von ihren Konten abheben. Die EZB hatte in den vergangenen Wochen immer wieder die Nothilfe für die griechischen Banken erhöht, um einen Engpass zu vermeiden.

+++ „In viel besserer Situation als nach Lehman“ +++

Der irische Finanzminister Michael Noonan sieht die Eurozone trotz des herben Rückschlags in den Schuldenverhandlungen mit Griechenland in starker Verfassung. Die Eurogruppe teile die „Einschätzung, dass wir in einer viel besseren Situation sind als nach dem Kollaps von Lehman Brothers, als Europa schlecht vorbereitet war“, sagte Noona am Samstagabend in Anlehnung an die Investmentbank, deren Pleite die Finanzkrise 2008 einläutete. Unter den Europartnern gebe es daher keine Angst.

+++ Deutsches Ausfallrisiko mindestens 80 Milliarden Euro +++

In der Griechenland-Krise steht nach Ansicht des Vorsitzenden des Europaausschusses des Bundestages, Gunter Krichbaum, akut ein deutscher Hilfsanteil "von rund 80 Milliarden Euro im Feuer". Dies sagte der CDU-Politiker der "Leipziger Volkszeitung" (Montagsausgabe). Das finanzielle Ausfallrisiko für die deutsche Staatskasse liege nach derzeitigem Stand durch Verpflichtungen aus den verschiedenen Rettungsschirmen, inklusive des Anteils an den Leistungen der Europäischen Zentralbank (EZB) bei mindestens "rund 80 Milliarden Euro".

+++ Griechisches Parlament stimmt für Referendum +++

Das griechische Parlament hat in der Nacht auf Sonntag den Weg für das von Ministerpräsident Alexis Tsipras vorgeschlagene Referendum im Schuldenstreit mit den Geldgebern freigemacht. Mit 178 Ja- und 120 Nein-Stimmen votierten die Abgeordneten für eine Volksabstimmung über die von den internationalen Gläubigern ursprünglich vorgelegten Spar- und Reformmaßnahmen. Eine erste Zählung von 179 Ja-Stimmen wurde nachträglich korrigiert.

„Das Referendum wird stattfinden, ob die Partner es wollen oder nicht“, sagte Tsipras im Parlament. Zugleich betonte er, niemand könne Griechenland aus dem Euro drängen.

+++ Luxemburgischer Minister wirft Athen Provokation vor +++

Griechenland hat den Abbruch der Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern nach Ansicht des luxemburgischen Finanzministers Pierre Gramegna durch sein Verhalten in den vergangenen Tagen selbst verschuldet. Die Regierung in Athen habe den Euro-Finanzministern gar keine andere Wahl gelassen, als gegen eine Verlängerung des Rettungspakets zu stimmen, sagte Gramegna am Samstagabend nach einem Treffen der Euro-Finanzminister ohne Griechenland.

„Die griechische Entscheidung, plötzlich und ohne ihre Partner vorzuwarnen ein Referendum anzukündigen, hat nicht nur jeden überrascht, sondern auch das Vertrauen erschüttert.“ Der Unmut über Griechenland sei weiter gewachsen, nachdem die griechische Delegation am Freitagabend die Verhandlungen abgebrochen habe, als Ministerpräsident Alexis Tsipras das Referendum angekündigt habe, sagte Gramegna weiter. „Drittens, und vielleicht das dramatischste Element, war die Ankündigung der Griechen, dass sie ihrer Bevölkerung raten würden, gegen das europäische Paket zu stimmen, das noch nicht einmal fertiggestellt war.“

+++ EU-Kommissar: Griechenland ist verantwortlich für Lage +++

Griechenland ist nach den Worten von EU-Währungskommissar Pierre Moscovici für das Ende des Hilfsprogramms an diesem Dienstag selbst verantwortlich. „Eine Abmachung war in Reichweite“, sagte Moscovici der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel mit Blick auf Verhandlungen über ein Sparpaket. „Die griechische Regierung trägt die Verantwortung. Sie hat die Verhandlungen abgebrochen.“

Diplomaten berichteten, kurz vor der Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland seien Expertengespräche über das Sparpaket von den Athener Vertretern beendet worden.

Zur Frage einer möglichen Ansteckungsgefahr für andere hoch verschuldete Länder wie Italien oder Portugal sagte der Kommissar: „Die Eurozone ist besser ausgestattet, um allen möglichen Risiken zu begegnen.“ Es gebe die Bankenunion mit einer gemeinsamen Bankenaufsicht und den Euro-Rettungsschirm ESM mit einem eingezahlten Kapital von rund 80 Milliarden Euro. „Für mich und die Kommission bleibt Griechenland ein Euro-Land.“

+++ Draghi und die Rückkehr der Troika +++
"Jetzt können wir die Institutionen endlich wieder Troika nennen." EZB-Präsident Mario Draghi nach Angaben mehrerer Teilnehmer der Sitzung der 18 Euro-Finanzminister - an der der griechische Kollege Yanis Varoufakis nicht teilnahm. Die neue griechische Linksregierung hatte darauf bestanden, dass das in Athen verhasste Trio aus IWF, EZB und EU-Kommission nicht weiter Troika genannt wird, sondern "Institutionen".)

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