++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++
Griechen könnten Teil ihrer Ersparnisse verlieren

Das Referendum kann stattfinden. Die Klage gegen die Volksabstimmung wurde vor Gericht zurückgewiesen. Banken suchen nach Alternativplänen: Griechischen Sparern könnte ein Teil ihrer Ersparnisse genommen werden.
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Die Euro-Zone erlebt eine gewaltige Erschütterung. Athen ist pleite. Die Notenbank führt Kapitalverkehrskontrollen ein. Die Menschen gehen zu Hamsterkäufen über, Schlangen bilden sich an Apotheken und Tankstellen. Die griechische Regierung wehrt sich gegen einen möglichen Grexit – und hält doch weiter am Referendum fest. Das will die Euro-Gruppe nun erst einmal abwarten. Alle Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Griechischen Sparern könnte Teil ihrer Ersparnisse genommen werden +++

Griechische Banken bereiten sich laut einem Bericht der "Financial Times" mit einem Alternativplan auf einen möglichen "bail-in" vor. Sollte ein sogenannter "Haircut" in Kraft treten, könnte den griechischen Sparern ein Teil ihrer Ersparnisse genommen werden. Wer über 8000 Euro auf dem Konto hat, könnten so bis zu 30 Prozent verlieren. Finanzminister Yanis Varoufakis dementierte auf Twitter den Bericht der "Financial Times" vehement.

+++ Referendum wird nicht über den Euro entscheiden +++

Die Euro-Zone muss sich nach den Worten von EU-Ratspräsident Donald Tusk möglicherweise daran gewöhnen, künftig ein zahlungsunfähiges Mitglied in ihren Reihen zu haben. Die EU suche nach Wegen, Griechenland im Euro zu halten, sagte Tusk in einem an Freitag veröffentlichten Interview des Nachrichtenportals Politico. Bei dem Referendum gehe es ganz eindeutig nicht um die Euro-Zone. Sollten die Griechen am Sonntag mit "Ja" stimmen, bestehe die Chanvorce, ein neues Kapitel bei den Verhandlungen aufzuschlagen. Sollten sie sich für "Nein" entscheiden, werde der Verhandlungsspielraum natürlich kleiner, sagte Tusk.

+++ Euro-Vertreter gegen Veröffentlichung von IWF-Griechenlandbericht +++
Vertreter der Euro-Zone beim IWF haben offenbar versucht, die Veröffentlichung eines Berichts über die Schuldensituation Griechenlands drei Tage vor dem dort geplanten Referendum zu verhindern. Die Europäer hätten Einwände gegen den Zeitpunkt der Publikation vorgebracht, hieß es am Freitag in mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Sie hätten sich allerdings nicht gegen die anderen Länder, insbesondere gegen die USA, durchsetzen können. Die EU müsse einsehen, dass nicht alle Entscheidungen nach ihren Bedürfnissen getroffen werden könnten, sagte ein IWF-Insider. Die linke Regierung in Athen sieht sich durch den Bericht in ihrer Ablehnung der Spar- und Reformforderungen der internationalen Gläubiger bestätigt.

+++ Friedliche Demonstrationen in Athen für und gegen Sparauflagen +++

Tausende griechische Bürger haben am Freitag vor dem Parlamentsgebäude in Athen gegen die Sparpolitik und für eine harte Haltung der links-geführten Regierung gegenüber den Gläubigern demonstriert. Gleichzeitig versammelten sich Tausende vor dem alten Olympiastadion von Athen, „Panathinaikon“, und demonstrierten unter dem Motto „Wir bleiben in Europa“ für den Verbleib in der Eurozone. Die Menschen der sogenannten Front für das „Ja“ forderten, dass sich Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Partnern und Gläubigern verständigt, damit Griechenland den Euro als Währung behalten kann. Die Demonstranten des „Nein“ lehnten lautstark weitere Sparmaßnahmen ab und skandierten: „Schluss mit der Austerität!“. Die Polizei hatte aus Angst vor Ausschreitungen starke Einheiten zwischen den beiden Kundgebungen im Zentrm Athens positioniert. Rund 200 vermummte Autonome sollen nach Medienberichten versucht haben, die Demonstration für das „Nein“ zu stören. Sie zündeten Mülleimer an. Die Polizei habe die Randalierer vom Platz vor dem Parlament verdrängt, berichteten Augenzeugen.

+++ Verwaltungsgericht lehnt Beschwerde gegen Referendum ab +++
Das Referendum in Griechenland über den künftigen Kurs in der Schuldenkrise kann wie geplant am Sonntag stattfinden. Das Oberste Verwaltungsgericht wies am Freitagabend eine Klage gegen die Volksabstimmung zurück. „Das Referendum findet statt“, sagte Richter Nikolaos Sakellariou. Die Kläger hatten den knappen Zeitraum zur Vorbereitung und eine unklare und zu komplexe Fragestellung moniert.


+++ Krisentreffen griechischer Banker im Finanzministerium +++

Die zunehmend kritische Lage der Banken beschäftigt auch die Regierung: Heute Nachmittag berieten im Finanzministerium der griechische Vizepremier Giannis Dragasakis, Finanzminister Yanis Varoufakis und der Vize-Finanzminister Dimitris Mardas mit dem Vize-Gouverneur der griechischen Zentralbank und den CEOs sowie den Präsidenten der fünf größten Geschäftsbanken über die Entwicklung und weitere Schritte. Bei der Krisensitzung habe man festgestellt, dass die Banken bis zum kommenden Montag genügend Liquidität – noch eine Milliarde Euro – hätten. Danach hänge die Lage von der Europäischen Zentralbank ab, erklärte der Verband. Am Sonntag soll der zuständige Ausschuss der Regierung zusammentreten, um die Wiederöffnung der Banken am Dienstag vorzubereiten, hieß es soeben in Ministeriumskreisen.

+++ Offiziere schreiben offenen Brief +++

16 ranghohe ehemalige Offiziere der griechischen Streitkräfte haben sich zu Wort gemeldet. In einem Offenen Brief appellieren die Ex-Militärs an die Griechen, jenseits parteipolitischer Linien und Gegensätze Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Das Land befinde sich „in einer außerordentlich kritische Phase seiner Geschichte“. Das erfordere „schwierige und möglicherweise schmerzhafte Entscheidungen“, heißt es in dem Appell. Es gehe um eine gemeinsame, nationale Anstrengung, Griechenlands Zugehörigkeit zu Europa zu sichern. Das geböten die geopolitischen und geostrategischen Interessen des Landes. „Griechenland ist Europa“, schließt der Appell. Obwohl es nicht ausdrücklich gesagt wird, dürfte das als Aufforderung verstanden werden, am Sonntag mit Ja, also für die Annahme des Finanzierungsangebots und der Reformauflagen der Gläubiger zu stimmen. Unterzeichnet wird der Brief von drei früheren Generalstabschefs, neun Heeres-Generälen a.D., zwei Admirälen und zwei pensionierten Generälen der Luftwaffe.

Kommentare zu " ++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Griechen könnten Teil ihrer Ersparnisse verlieren"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Manfred Zimmer
    was wir falsch gemacht haben?
    Wir haben eine stramme DDR-Frau zur Kanzlerin gewählt, die an Demokratie gar nicht interessiert ist

  • Carl Andersen
    die Griechen brauchen niemenden erpressen.
    Merkel zahlt ohnehin weiter

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