++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++ Griechen könnten Teil ihrer Ersparnisse verlieren

Das Referendum kann stattfinden. Die Klage gegen die Volksabstimmung wurde vor Gericht zurückgewiesen. Banken suchen nach Alternativplänen: Griechischen Sparern könnte ein Teil ihrer Ersparnisse genommen werden.
Update: 04.07.2015 - 00:10 Uhr 120 Kommentare

„Es wird schlimmer - egal was Tsipras tut“

„Es wird schlimmer - egal was Tsipras tut“

Die Euro-Zone erlebt eine gewaltige Erschütterung. Athen ist pleite. Die Notenbank führt Kapitalverkehrskontrollen ein. Die Menschen gehen zu Hamsterkäufen über, Schlangen bilden sich an Apotheken und Tankstellen. Die griechische Regierung wehrt sich gegen einen möglichen Grexit – und hält doch weiter am Referendum fest. Das will die Euro-Gruppe nun erst einmal abwarten. Alle Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Griechischen Sparern könnte Teil ihrer Ersparnisse genommen werden +++

Griechische Banken bereiten sich laut einem Bericht der "Financial Times" mit einem Alternativplan auf einen möglichen "bail-in" vor. Sollte ein sogenannter "Haircut" in Kraft treten, könnte den griechischen Sparern ein Teil ihrer Ersparnisse genommen werden. Wer über 8000 Euro auf dem Konto hat, könnten so bis zu 30 Prozent verlieren. Finanzminister Yanis Varoufakis dementierte auf Twitter den Bericht der "Financial Times" vehement.

+++ Referendum wird nicht über den Euro entscheiden +++

Die Euro-Zone muss sich nach den Worten von EU-Ratspräsident Donald Tusk möglicherweise daran gewöhnen, künftig ein zahlungsunfähiges Mitglied in ihren Reihen zu haben. Die EU suche nach Wegen, Griechenland im Euro zu halten, sagte Tusk in einem an Freitag veröffentlichten Interview des Nachrichtenportals Politico. Bei dem Referendum gehe es ganz eindeutig nicht um die Euro-Zone. Sollten die Griechen am Sonntag mit "Ja" stimmen, bestehe die Chanvorce, ein neues Kapitel bei den Verhandlungen aufzuschlagen. Sollten sie sich für "Nein" entscheiden, werde der Verhandlungsspielraum natürlich kleiner, sagte Tusk.

+++ Euro-Vertreter gegen Veröffentlichung von IWF-Griechenlandbericht +++
Vertreter der Euro-Zone beim IWF haben offenbar versucht, die Veröffentlichung eines Berichts über die Schuldensituation Griechenlands drei Tage vor dem dort geplanten Referendum zu verhindern. Die Europäer hätten Einwände gegen den Zeitpunkt der Publikation vorgebracht, hieß es am Freitag in mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Sie hätten sich allerdings nicht gegen die anderen Länder, insbesondere gegen die USA, durchsetzen können. Die EU müsse einsehen, dass nicht alle Entscheidungen nach ihren Bedürfnissen getroffen werden könnten, sagte ein IWF-Insider. Die linke Regierung in Athen sieht sich durch den Bericht in ihrer Ablehnung der Spar- und Reformforderungen der internationalen Gläubiger bestätigt.

+++ Friedliche Demonstrationen in Athen für und gegen Sparauflagen +++

Tausende griechische Bürger haben am Freitag vor dem Parlamentsgebäude in Athen gegen die Sparpolitik und für eine harte Haltung der links-geführten Regierung gegenüber den Gläubigern demonstriert. Gleichzeitig versammelten sich Tausende vor dem alten Olympiastadion von Athen, „Panathinaikon“, und demonstrierten unter dem Motto „Wir bleiben in Europa“ für den Verbleib in der Eurozone. Die Menschen der sogenannten Front für das „Ja“ forderten, dass sich Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Partnern und Gläubigern verständigt, damit Griechenland den Euro als Währung behalten kann. Die Demonstranten des „Nein“ lehnten lautstark weitere Sparmaßnahmen ab und skandierten: „Schluss mit der Austerität!“. Die Polizei hatte aus Angst vor Ausschreitungen starke Einheiten zwischen den beiden Kundgebungen im Zentrm Athens positioniert. Rund 200 vermummte Autonome sollen nach Medienberichten versucht haben, die Demonstration für das „Nein“ zu stören. Sie zündeten Mülleimer an. Die Polizei habe die Randalierer vom Platz vor dem Parlament verdrängt, berichteten Augenzeugen.

+++ Verwaltungsgericht lehnt Beschwerde gegen Referendum ab +++
Das Referendum in Griechenland über den künftigen Kurs in der Schuldenkrise kann wie geplant am Sonntag stattfinden. Das Oberste Verwaltungsgericht wies am Freitagabend eine Klage gegen die Volksabstimmung zurück. „Das Referendum findet statt“, sagte Richter Nikolaos Sakellariou. Die Kläger hatten den knappen Zeitraum zur Vorbereitung und eine unklare und zu komplexe Fragestellung moniert.


+++ Krisentreffen griechischer Banker im Finanzministerium +++

Die zunehmend kritische Lage der Banken beschäftigt auch die Regierung: Heute Nachmittag berieten im Finanzministerium der griechische Vizepremier Giannis Dragasakis, Finanzminister Yanis Varoufakis und der Vize-Finanzminister Dimitris Mardas mit dem Vize-Gouverneur der griechischen Zentralbank und den CEOs sowie den Präsidenten der fünf größten Geschäftsbanken über die Entwicklung und weitere Schritte. Bei der Krisensitzung habe man festgestellt, dass die Banken bis zum kommenden Montag genügend Liquidität – noch eine Milliarde Euro – hätten. Danach hänge die Lage von der Europäischen Zentralbank ab, erklärte der Verband. Am Sonntag soll der zuständige Ausschuss der Regierung zusammentreten, um die Wiederöffnung der Banken am Dienstag vorzubereiten, hieß es soeben in Ministeriumskreisen.

+++ Offiziere schreiben offenen Brief +++

16 ranghohe ehemalige Offiziere der griechischen Streitkräfte haben sich zu Wort gemeldet. In einem Offenen Brief appellieren die Ex-Militärs an die Griechen, jenseits parteipolitischer Linien und Gegensätze Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Das Land befinde sich „in einer außerordentlich kritische Phase seiner Geschichte“. Das erfordere „schwierige und möglicherweise schmerzhafte Entscheidungen“, heißt es in dem Appell. Es gehe um eine gemeinsame, nationale Anstrengung, Griechenlands Zugehörigkeit zu Europa zu sichern. Das geböten die geopolitischen und geostrategischen Interessen des Landes. „Griechenland ist Europa“, schließt der Appell. Obwohl es nicht ausdrücklich gesagt wird, dürfte das als Aufforderung verstanden werden, am Sonntag mit Ja, also für die Annahme des Finanzierungsangebots und der Reformauflagen der Gläubiger zu stimmen. Unterzeichnet wird der Brief von drei früheren Generalstabschefs, neun Heeres-Generälen a.D., zwei Admirälen und zwei pensionierten Generälen der Luftwaffe.

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120 Kommentare zu "++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Griechen könnten Teil ihrer Ersparnisse verlieren"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Manfred Zimmer
    was wir falsch gemacht haben?
    Wir haben eine stramme DDR-Frau zur Kanzlerin gewählt, die an Demokratie gar nicht interessiert ist

  • Carl Andersen
    die Griechen brauchen niemenden erpressen.
    Merkel zahlt ohnehin weiter

  • @ zimmer:

    Die EZB kann nicht pleite gehen. Sie greift einfach auf ihre Gewährsträger zurück. Das sind alle Länder unterm Euro, auch Deutschland, welches auch aus gesamtschuldnerischer Haftung für alles (!!) haftet - und sich dann bei den anderen erholen darf, wenn die wollen.

    Sie müssen alles zahlen, was die EZB so verbockt hat, etwa den sinnlosen Ankauf aller kaputten Anleihen in diversen alten und nun auch dem neuen Programm, QE genannt.

    So haftet der deutsche vor allem Steuerzahler für jeden Mist, den die Politiker und ihre Kollegen in den Institutionen anrichten. Und das ist eine riesige Menge.

  • @ nister:

    Richtig. Letztlich zahlen unsere Steuerzahler einen wesentlichen Teil unserer Exporte in vor allem die teilweise nicht zahlungsfähigen Nationen unter dem Euro, auch PIIGSZF genannt.
    Prof. Sinn erläuterte das anhand des EZB- Target_II-Modells, dem "Verrechnungsposten" (aber mit konkreten Auswirkungen) zwischen den an Exporten beteiligten Euroländern - sofern in Teilen Zahlungsunfähigkeit oder Verzug eintreten sollte.

    Deutschland hatte zeitwiese nicht bezahlte Forderungen von über einer Billion Euro. So lebt es sich als Schwachmatikus recht gut im Euro - als potenter Exporteur allerdings entgegen aller Behauptungen keineswegs.

  • Ich will auch Geld, von Griechenland bitte.

  • Erstens: bitte besorgen Sie sich einen kompetenten Kommentator aus der Börsenszene.
    Zweitens ist die Volksbefragung juristisch hoch zweifelhaft.
    Drittens wird unabhängig vom Ausgang das peinliche Theater weiter gehen.

    Viertens haben alle Euroratsmitglieder große Angst davor, ihren Bevölkerungen ihre Unfähigkeit der letzten Jahre offenbaren zu müssen mit der Haushaltsbelastung durch die nie zurückkehrenden und daher (schon kurzfristig !) abzuschreibenden Kredite an Griechenland (und all die weiteren Geretteten, die in Wahrheit insolvent sind - und langfristig bleiben werden).

    Fünftens erpressen die Griechen den Rest mit eben dieser Angst vor der Wahrheit.
    Sechstens: je länger sie damit Erfolg haben werden, um so zügiger bricht der Euro auseinander.
    Dieser Dialektik sollten sich die Regierungen nicht so leichtfertig verschließen, wie sie es bislang stets taten. der Bequemlichkeit wegen.

  • @ Herr Giannis Peissinger


    Besten Dank, bekomme aber beides mal die Meldung

    >> Error 404: file not found >>

    Die EU hat wohl "geputzt".......!

  • Vor allem auch diese Defizite kontinuierlich weiter anwachsen und die Verschuldung immer weiter zunimmt, bis zur Staatspleite.

  • Hallo Leute, ich hätte da mal eine Frage an euch! Ist es nicht in Wahrheit so, das der deutsche Exporterfolg erst dadurch zustande kommt, dass sich das Ausland bei uns verschuldet und zwar jährlich in einer Höhe von ca. 200 Milliarden €? Wenn wir sparen, muss sich zwangsläufig das Ausland für unsere Wachstumsraten verschulden. Unser Erfolgsmodell basiert sozusagen auf der Verschuldung des Auslands. Wir subventionieren seit Jahren unseren Export und deren Mitarbeiter.
    Der große Rest der arbeitenden Bevölkerung bezahlt das durch die weiche Währung und Reallohnstagnation seit Jahren mit massiven Kaufkraftverlusten und Sozialkürzungen. Hätten wir nämlich noch die D-Mark, würden wir nämlich massiv aufwerten und somit würde wieder die Wettbewerbsfähigkeit der Südländer inklusive Frankreich steigen und wir würden etwas von unserer, nur durch Auslandsverschuldung, Reallohnstagnation und Sozialkürzungen erzeugten Wettbewerbsfähigkeit einbüsen. Es ist doch so, oder liege ich damit falsch? Deutschland braucht jährlich für sein „Erfolgsmodell -> Deutschland geht es gut“ Auslandschuldner in Höhe von ca. 200 Milliarden Euro! So können wir doch nicht weitermachen, auch in Anbetracht dessen, dass sich kaum noch Auslandsschuldner finden lassen, die für uns dauerhaft Defizite machen.

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